„Hilfe, ich diskriminiere!“ /Transfeindlichkeit

Inhaltswarnung: Nennung transfeindlicher Begriffe und Formulierungen, Schilderung transfeindlicher Situationen.

Hi Ash,

ich habe kürzlich eine Person kennengelernt, die sagt, sie wäre transsexuell oder transident.
Leider habe ich gar keine Ahnung, wie ich mich jetzt verhalten soll.
Ich glaube, ich habe schon ganz viele verletzende Dinge gesagt, aber ich verstehe nicht, warum. Was soll ich tun?

Liebe Grüße,
Miss Gender“


Liebe Miss Gender,

es ist total einfach, wenn du dich von zwei falschen Grundannahmen verabschiedest, die du bisher vermutlich mit dir herumgetragen hast:

  1. Man sieht Menschen ihre Geschlechtsidentität an (oder erkennt sie an der Stimme).
  2. Es gibt ein „eigentliches“ Geschlecht, das man an den Genitalien einer Person ablesen kann.

Geschlechtsidentität=Geschlechtszugehörigkeit.
Das kann Mann oder Frau sein, aber auch dazwischen liegen, schwanken und manche Menschen können und wollen sich einfach gar nicht einordnen.

Diese Annahmen ersetzt du bitte durch:

  1. Man sieht und hört Menschen ihre Geschlechtsidentität nicht an.
  2. Die Geschlechtsidentität eines Menschen ist unabhängig von seinen Genitalien.

Klingt eigentlich einfach, meinst du? Ist es auch!

Dann sagst du nämlich, wenn du das Geschlecht einer Person nicht kennst, so was wie „ein Mensch, den ich als Frau lese“ oder „ich nehme an, es war ein Mann“ oder „ein Mensch mit nicht eindeutigem Genderausdruck.“
(Genderausdruck ist die äußere Wirkung einer Person und die muss, genauso wie die Geschlechtsidentität, nicht eindeutig männlich oder weiblich sein.)

Alternativ kannst du auch „Frau*“ oder „Mann*“ schreiben – mit dem Sternchen am Ende machst du deutlich, dass das eine Annahme von dir ist und du nicht weißt, ob sie stimmt.

Wenn du diese Grundannahmen veränderst, sagst du, wenn du von trans Menschen sprichst, so etwas wie „ein Mann“ oder „eine Frau“ oder „ein genderfluider Mensch“.
Du sagst nicht mehr „Eine Frau, die ein Mann werden möchte“ oder „Eine Frau, die früher mal ein Mann war“ oder ähnlichen verletzenden Mist, denn dir ist klar:

Ein trans Mann war schon immer ein Mann, eine trans Frau war schon immer eine Frau – das einzige, was sich geändert hat, ist die Außenpräsentation, der Genderausdruck, der jeweiligen Person.
Deswegen sprichst du auch nicht mehr von einer „Umwandlung“, denn du weißt:
Es wird nichts „umgewandelt“ – die Wahrheit, ist, dass äußere Merkmale angepasst werden. Das richtige Wort ist daher „Angleichung“/“Geschlechtsangleichung“.

Du stellst NICHT solche Fragen wie „Wann bist du denn dann ein „richtiger“ Mann/eine „richtige“ Frau?“ und du sagst NICHT solche Dinge wie „Naja, du bist ja noch nicht ganz fertig.“ Du weißt nämlich, dass das Bullshit ist, weil das Äußere überhaupt nichts damit zu tun hat, wie männlich oder weiblich eine Person ist.
Oder ändert sich deine Geschlechtsidentität, wenn dir über Nacht die Haare ausfallen, du 10 Kg zu- oder abnimmst und/oder sich die Größe deiner Brust verändert? – Nein? Siehste.

Du verzichtest auch auf Formulierungen wie „im falschen Körper stecken“. Wenn die Person, um die es geht, das so empfindet und das von sich selbst sagt, ist das eine Sache – aber als fremder Mensch darüber zu entscheiden, ob ein Körper richtig oder falsch ist, ist übergriffig, beleidigend und respektlos.
Viele trans Menschen kommen mit ihrem Körper insgesamt gut zurecht, stören sich aber an bestimmten Körperteilen – das macht es NICHT okay, von einem falschen Körper zu sprechen! Auch hier nochmal: Stell dir vor, du erzählst einer Person, dass du mit der Größe deines Bizeps oder deiner Brüste unzufrieden bist. Fändest du es dann in Ordnung, wenn die Person dich fortan als „steckt im falschen Körper“ beschreiben würde? Vermutlich nicht.

In Bezug auf Pronomen (=“Fürwörter“, zum Beispiel er/sie/es) heißt das:
Wenn du das Geschlecht der Person nicht kennst, kannst du zum Beispiel sie_er/sie*er/sier/xier sagen oder schreiben.
Wo jetzt ein Sternchen ist, machst du einfach eine kleine Pause, so wie ich es im Audiofile zum Beitrag mache (ein lieber Freund von mir nennt das „Genderpäuschen“ – ich mag das Wort sehr und bin sehr dafür, es zu verwenden. 😀 ).

Wenn dir das zu kompliziert ist, kannst du einfach „ein Mensch“ oder „eine Person“ sagen. Wir sind SO daran gewöhnt, alle Menschen immer direkt in Geschlechterschubladen zu packen, obwohl das im Normalfall auch supergut ohne ginge!

Ansonsten: Frag einfach. Auch, wenn du meinst, dass du siehst oder (wenn du mit jemandem telefonierst) hörst, wie die Person angesprochen werden will.
Gewöhn dir an, das allgemein zu tun.
Das ist keine große Sache für dich, kann aber für Leute, die täglich von Diskriminierung betroffen sind, einen riesengroßen Unterschied machen.

Anmerkung: Wenn du falsche Pronomen verwendest, also zum Beispiel eine trans Frau „er“ nennst, nennt man das „misgendern“ und das kann sehr weh tun.
Stell dir einfach mal vor, wie es sich für dich anfühlen würde, wenn man dich die ganze Zeit falsch ansprechen würde.

Wichtig: Geh nicht davon aus, dass Menschen cis sind (cis ist das Gegenteil von trans).
Gewöhne dir bitte an, „cis Menschen“ zu sagen, wenn eine Unterscheidung notwendig ist und sag nicht so was wie „normale Leute“, denn trans sein ist genauso normal.

Wenn du dir das wirklich klar machst, heißt das auch:

Du antwortest auch selbst ganz entspannt auf die Frage nach deinen Pronomen. Du sagst NICHT solche Dinge wie „Das sieht man doch!“, du lachst nicht abfällig und du tust nicht so als wäre das eine lächerliche oder beleidigende Frage, denn dir ist klar, dass das eine Geste des Respekts ist.

Du fragst NICHT nach dem Geburtsnamen einer Person und erst recht bezeichnest du diesen Namen nicht als „echten“, „eigentlichen“ oder „tatsächlichen“ Namen. Wenn die Person dir diesen Namen aus irgendwelchen Gründen sagen möchte, wird sie das tun. Die meisten trans Menschen möchten es nicht und es ist sehr verletzend für sie, wenn sie weiterhin so angesprochen werden.
Wenn du den Geburtsnamen kennst, vergiss ihn einfach. Der englische Begriff dafür, trans Menschen mit ihrem Geburtsnamen anzusprechen, ist deadnaming. Das heißt, einen toten Namen zu verwenden.
Du brauchst diesen Namen auch mit Sicherheit NICHT dafür, die Person „besser kennenzulernen“. Ich nehme an, du fragst verheiratete Menschen um dich auch nicht nach ihrem „Mädchennamen“, oder?

Wenn du auf einer öffentlichen Toilette oder in einer Umkleidekabine bist und ein Mensch durch die Tür kommt, der für dich so aussieht als gehöre er woanders hin, fängst du nicht an, zu schimpfen oder ihn des Raumes zu verweisen. Stattdessen freust du dich über deine neuen Erkenntnisse und darüber, dass sie dir helfen, niemandem den Tag zu versauen. Sollte jemand anders diese Erkenntnisse nicht haben, bitte unterstütze die trans Person in der Situation.
Stell dir vor, wie es dir gehen würde, wenn dich jemand so behandelt – und das nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Für viele trans Menschen ist das Alltag und jede Situation, in der sie solche öffentlichen Räume betreten müssen, ist extremer Stress!

Genauso, wenn cis Menschen Wörter wie „Transe“ verwenden oder anderweitig abwertend über trans Menschen sprechen.
Auch, wenn es dich selbst nicht betrifft: Menschen zu zeigen, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung ist, kann einen großen Unterschied machen – für alle trans Menschen, die dieser Person begegnen.

Noch eine Anmerkung zum Schluss:
Das Wort trans siehst du vielleicht auch oft mit Stern am Ende, also als „trans*“. Warum ich den Stern (Asterisk) nicht nutze und ihn für problematisch halte, kannst du zum Beispiel hier nachlesen.
Wenn du „trans asterisk“ in die Suchmaschine deiner Wahl eingibst, wirst du auch noch einiges mehr dazu finden.
Leider sind alle Artikel auf Englisch – wenn Interesse besteht, kann ich gern welche übersetzen und hier posten oder eben zusammenfassen. Schreib(t) mir das einfach in die Kommentare, dann mache ich das gern!

 Manche Menschen schreiben auch „Transmann“ oder „Transfrau“. Das mache ich nicht (mehr), weil ich persönlich es wichtig finde, „trans“ als Adjektiv (=“Wiewort“) zu verwenden.
Die andere Schreibweise vermittelt für mich den Eindruck, trans zu sein wäre das hauptsächliche Persönlichkeitsmerkmal einer Person und das möchte ich nicht.

Noch eine große Bitte:
Wenn du Probleme damit hast, das umzusetzen oder mit der Situation umzugehen, wende dich an wen auch immer, aber BITTE BITTE erzähl nicht laufend der trans Person, wie schwierig die Situation für dich ist.
Wenn du einen Fehler machst, sag „Es tut mir leid“ und mach es besser.
Und: Wenn du mit trans Menschen befreundet bist, erzähl niemals anderen Menschen ohne Erlaubnis der trans Person, dass sie trans ist.

Und bitte, bitte, frag nicht so was wie „Wann hast du dich entschieden, eine Frau/ein Mann/[Geschlechtsidentität einfügen] zu sein?“ Das ist genauso unsinnig, als würde dich das jemand fragen.

Ich gebe mir Mühe, alles zu erklären und möglichst einfach auszudrücken, aber oft fallen mir Dinge nicht auf.
Hinterlass also auch gern einen Kommentar, wenn du etwas unklar findest oder nicht verstehst.


Wie du vielleicht weißt, kann ich aufgrund meiner beHinderungen keiner „normalen“ Erwerbstätigkeit nachgehen und mich hier und in sozialen Netzwerken aktivistisch zu betätigen, ist quasi mein Job. Falls dir gefällt, was ich mache, und du mich und den Vierbeiner mit einem kleinen Betrag unterstützen möchtest, kannst du das zum Beispiel  über meinen Amazon-Wunschzettel, über Gynny oder über Patreon:-) Danke dir sehr! ❤

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22 Kommentare zu „„Hilfe, ich diskriminiere!“ /Transfeindlichkeit

  1. Meine Liebe, danke für diesen Artikel 🙂 Ich hoffe mal, daß Menschen, die mit unsereins nicht so viel zu tun haben, diese Anleitung lesen, verstehen und in ihre Gedankenwelt bzw. Verhaltensmuster integrieren. ❤

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  2. Fein gemacht, Miss Mindfuck! Du erinnerst mich daran, dass ich auch von dem einen oder anderen Begriff wegkommen sollte, so z.B. Transmann oder Transfrau. Sonst kommt es noch so weit, dass ich mich von einer cis Person korrigieren lassen muss … 😉
    Eine Anmerkung habe dann noch: Miss Gender sollte nie fragen, wann sich ihr Gegenüber dazu entschieden hat eine Frau, ein Mann oder ein Meerschweichen zu sein.

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  3. Hi,

    mir gefällt der Artikel gut und ich werde ihn in meinem Umfeld sharen.

    Mir ist beim durchlesen insbesondere eine Verhaltensweise meinerseits aufgefallen die diskriminierend ist: Am Telefon agiere ich sehr häufig mit Binär- und Cis-Annahmen, meist schon zu Beginn des Gesprächs mit „Hallo Frau… /Herr…“, insbesondere wenn ich Kundensupport betreibe.

    Danke für’s aufmerksam machen!

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    1. Danke dir für deinen Kommentar und fürs Teilen!
      Am Telefon hoffe ich immer darauf, dass die Menschen sich direkt mit einem geschlechtsbezogenen Vornamen vorstellen. 😀

      Im Kundensupport stelle ich mir das auch sehr schwierig vor – die Annahmen sind unter Umständen für trans Menschen verletzend _und_ auf der anderen Seite fühlen sich cis Menschen ja tatsächlich häufig angegriffen, wenn sie gefragt werden, welche Anrede ihnen denn Recht ist.
      Ich find’s total cool, wenn du das trotzdem tust! ❤
      So kann nebenbei und auch außerhalb eines transspezifischen Kontexts darauf aufmerksam gemacht werden, dass das alles gar nicht so eindeutig ist wie cis Leute oft meinen. Total cool!

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      1. Wie geschrieben: Mr ist es eben erst aufgefallen und dann habe ich mir überlegt wie ich das ändern kann.

        Zur Zeit wäre meine Strategie, dass ich geschlechtsspezifische Anreden zu vermeiden versuche und „Sie“ und „Ihnen“ verwende falls ich zuerst am Zug bin. Das ist aber auch mehr ein „umschiffen“ und mir gefällt dein Input da wirklich nachzufragen auch um das Thema zu promoten. 🙂

        Im Privaten ist es etwas leichter für mich gegen die Konvention zu gehen, da ich da mich repräsentiere und kein Firma (auch wenn es nur eine kleine ist)

        Ich bin für weiteren Input offen und auch weitere Strategien damit umzugehen, weil ich hier telefonieren als besondere Interaktion und Kommunikation empfinde: Sie ist symmetrisch, synchron, aber ohne Gestik und Mimik (bzw. stark reduziert) was den Inhalt stärker in den Fokus stellt.

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      2. Ich wechsle da selbst auch ab – hängt auch von meiner Tagesform ab, also wie sehr ich noch in der Lage bin, zu diskutieren bzw. erklären, weil cis Menschen ja schon häufig mit Unverständnis reagieren.

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  4. Es wirft auch die interessante Frage auf, was dann eigentlich Geschlechtsidentität ist. Kannst du mal definieren, was die „Geschlechtsidentität Frau“ ausmacht?
    Wenn zB ein Mann im verhalten alle Klischees von Männlichkeit erfüllt, männlich aussieht und aber angibt, dass das für ihn weiblichkeit beeinhaltet, ist er dann weiblich?
    Und eine Frau, die einen weiblichen Körper hat, aber ansonsten allen Männerklischees im Verhalten entspricht, darf die dann sagen „ich bin eine Frau, weil ich einen weiblichen Körper habe, auch wenn ich mich männlich verhalte“ oder wäre das transfeindlich?
    Oder bestimmt sich dann „männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ nach Geschlechterstereotypen, die ja eigentlich gegenstandslos, weil gesellschaftlich geschaffen, sind?

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    1. Muss doch jede_r für sich selbst wissen, was ihre_seine Geschlechtsidentität ausmacht. 🙂

      Wenn’s nur an den primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen hängt und die Person das an nichts anderem festmachen kann, ist es eben so. Transfeindlich wär’s nur, wenn sie sagen würde „Ich empfinde das so, also müssen das auch alle anderen so empfinden.“, aber solange sie das nicht tut, ist ja alles gut.

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      1. Also gibt es keinerlei Kriterien?

        Das würde ja zB Katharina schon wieder anders sehen und es als trans feindlichkeit bewerten vermute ich.

        Denn für sie kommt es ja nur auf das Gehirn an.

        Wenn sich aber auch Personen mit weiblichen Körper unabhängig von ihrem verhalten und Gehirn als Frauen bezeichnen können, dann wäre eben Körper ebenfalls ein logisches Einordnungskriterium.

        Was eben deutlich macht, das Transsexualität eine Form der intersexualität ist.

        Natürlich sollte man den Wunsch einer entsprechenden Bezeichnung akzeptieren, aber dieses militante „jeder, der mich aufgrund meines Körper falsch einordnet ist trans feindlich“ bringt aus meiner Sicht nur Hass.

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      2. Ja – und in dem Fall sagt doch auch das Gehirn „Ich bin männlich“ oder „Ich bin weiblich“ oder „Mein Geschlecht ist weder männlich noch weiblich“. 🙂 Ich wüsste nicht, was daran transfeindlich sein sollte – solange die Person bei sich bleibt, wie gesagt.

        Wie Katrina (Reichert meinst du, nehme ich an?) das sehen würde, weiß ich nicht – ich möchte auch keine Spekulationen darüber anstellen, aber du kannst sie ja fragen, wenn dich das interessiert. 😀

        Hass „löst“ es m.E. nur bei den Leuten „aus“, die keinen Bock haben, ihre Privilegien zu hinterfragen und Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. ^^ Und der Hass ist da ja eh schon da, der kommt dann halt nur zum Vorschein.

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    2. „Hass “löst” es m.E. nur bei den Leuten “aus”, die keinen Bock haben, ihre Privilegien zu hinterfragen und Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. ^^ Und der Hass ist da ja eh schon da, der kommt dann halt nur zum Vorschein.“

      Ich meinte eigentlich den Hass bei Transsexuelle oder entsprechenden Aktivisten. Sie fühlen sich dann – was man bei den radikaleren auf Twitter auch gut sieht – bei allem, was lediglich Mann und Frau erwähnt diskriminiert.

      Dabei ist das bei dem äußerst geringeren Anteil von Transsexuellen schlicht auch nicht zu erwarten.

      Ich glaube die Privilegientheorien führen allgemein schnell zu Hass von Aktivistinnen. Sie produzieren ein Diskriminierungsgefühl statt dieses abzubauen. Eben durch solch bescheuerte Phrasen wie „du bist nur nicht bereit genug deine Privilegien zu hinterfragen“.

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      1. Ich denke ja auch einiges anders. Vieles, das als transfeindlich bezeichnet wird, empfinde ich als transunfreundlich. Feindlich ist ein Wort, das in allen Richtungen voll Hass steckt.

        Aber meine Sprache wurde auch schon als transfeindlich bezeichnet… 🙂

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  5. Sehr guter Überblick! Nur an zwei kleinen Stellen würde ich dir widersprechen:
    – Der Stern hinter Mann oder Frau macht es mMn nicht besser, weil es immer noch missgendern sein kann. Mir wird dadurch immer noch nicht deutlich genug, dass die Geschlechtszuschreibung der Eindruck der schreibenden Person ist.
    – Dass eine trans Frau schon immer eine Frau und ein trans Mann schon immer ein Mann war, kann stimmen, muss aber nicht. Auch wenn ich total dafür bin, mit den vorherrschenden Erzählmustern über trans zu brechen, gibt es Leute, deren Identität sich entwickelt oder verändert hat. Sie werden durch diese „born this way“ Erzählung unsichtbar gemacht oder verleugnet.

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    1. Hi,
      tut mir sehr leid, dass ich jetzt erst antworte!
      Danke für deinen Kommentar!
      Beim zweiten Punkt bin ich nicht sicher, ob wir da nicht eigentlich gleicher Meinung sind.
      Ich finde das Narrativ, nach dem alle trans Menschen schon im Kindesalter total klar über ihre Geschlechtsidentität sind, auch sehr schädlich (und kenne auch keine trans Person, bei der das so war).
      Ich glaube, dass es total „normal“ ist, dass Identität sich entwickelt und verändert – gerade auch, weil bei vielen Leuten „der Groschen erst fällt“, wenn sie irgendwie mit dem Thema Transidentität in Berührung kommen.
      Trotzdem kenne ich dann auch wiederum keine Person, die es okay findet, rückwirkend misgendert zu werden – darum geht’s mir in dem Punkt.
      „Damals, als du dich als Frau identifiziert hast“ ist eben was ganz anderes als „Damals, als du eine Frau warst.“ Letzteres misgendert mich, weil ich eben auch damals keine Frau war, sondern nur kein Wort für mich hatte.

      Geht’s dir da anders?

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