Zur Problematik des ZEIT-Artikels.

Inhaltswarnung: Transfeindliche Sprache, Erwähnung von Gewalt.

Nachdem mich ein paar Menschen gefragt haben, was ich über den ZEIT-Artikel von Andrea Roedig  (ACHTUNG! Transfeindlichkeit!)  denke bzw. was ich daran problematisch finde, bemühe ich mich nun, das möglichst nachvollziehbar zu beschreiben.
Verzeiht mir bitte, wenn es eher eine Auflistung als ein zusammenhängender Text wird – ich möchte das gern kurz abarbeiten und mich dann schöneren Themen widmen. 🙂

Ich musste schon bei der Überschrift kurz durchatmen, denn Trans-Sein als Trend darzustellen oder auch nur zu implizieren, es könne einer sein, ist schon eine krasse Nummer.  (Wer das nicht versteht, lese bitte das.)


Weiter geht’s dann mit der Formulierung „das biologische Geschlecht wechseln“, die mich innerlich auch zusammenzucken lässt, weil ich nicht der Ansicht bin, dass das „biologische“ Geschlecht zwischen den Beinen sitzt und mal kurz gewechselt werden kann und die dauernde Unterscheidung zwischen „genital angelegtem“ biologischen Geschlecht – von unwissenden oder bösartigen Menschen gerne auch „eigentliches“ Geschlecht genannt – und sozialem Geschlecht doch eher suboptimal finde. Dass die Autorin dann offenbar der Ansicht ist, für alle Feminist_innen sprechen zu können und die Möglichkeiten einer medizinischen Angleichung zum Problem für den Feminismus hochstilisiert, setzt dem Ganzen die Krone auf – oder nicht, denn das ist ja erst der Anfang. Ich beschränke mich auf die Sätze, die ich persönlich am schlimmsten finde, weil ich sonst die ganze Nacht an diesem Blog-Eintrag schreiben würde.
Formulierungen, die mich aufregen:
„(…)Denn die sozialen und biologischen Geschlechtszuweisungen sind unübersichtlich geworden(…)“
Eine Option wäre, Menschen einfach nach ihrem Geschlecht zu fragen, anstatt sie fremdpositionieren zu wollen. Dazu muss man gar nicht alle Möglichkeiten kennen, nur zuhören können. Was an „biologischen Geschlechtszuweisungen“ unübersichtlich sein soll, weiß ich natürlich nicht – von mir aus können die aber, so wie sie aktuell praktiziert werden, eh weg. 😉

„(…)Etliche der Frauen, die früher einfach butch gewesen wären, also sich männlich gebärdende lesbische Frauen, sind oder werden heute Transmänner.(…)“
Auch hier wird wieder impliziert, trans zu sein wäre eine Entscheidung, die man irgendwann treffen könnte oder würde, um einem Trend zu folgen, und durch Hormoneinnahme könne man trans werden oder das eigene „eigentliche“ Geschlecht wechseln. So läuft der Hase aber nicht – trans Männer sind und waren schon immer Männer und dass sie sich vor ihrem Outing oder bevor sie wussten, dass sie trans sind, vielleicht mal als (cis) Lesben identifiziert haben, ändert daran nichts. Das war unter Umständen einfach nur die einzige Möglichkeit, ihr eigenes Empfinden zu beschreiben.
Wenn ein Mensch, der sich als Butch identifiziert, sich zu einer Angleichung entscheidet, tut er das nicht, weil er trans werden möchte (wer möchte denn bitte überhaupt trans sein?), sondern weil er trans ist. Und das heißt dann auch immer noch nicht, dass ein trans Mann sich nicht weiterhin als Lesbe identifizieren könnte, wie ja wenigstens treffend bemerkt wird. Guydykes gibt es nicht nur unter cis Männern.

„(…)Der Trend geht zu Trans, und auch erstaunlich viele der berühmten sexual-politics-Aktivistinnen haben mehr oder weniger eindeutig ihr Geschlecht verändert. Leslie Feinberg, die Autorin von Stone Butch Blues, unterzog sich einer Behandlung;(…)“
Erneut wird Trans-Sein als Trend bezeichnet und Hormoneinnahme wird mit „das eigene Geschlecht verändern“ gleichgesetzt – was ist eigentlich mit den Millionen von Frauen, die die Pille nehmen oder stoffenden Bodybuilder_innen? „Verändern“ die auch alle ihr Geschlecht?
Frech finde ich auch, hier Leslie Feinberg als Beispiel aufzuzählen, das die These von „Trans als Trend“ untermauern soll, denn Feinberg entschied sich in einer Zeit zur Hormoneinnahme, in der Menschen fürs Butch-Sein verprügelt und vergewaltigt, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen und nirgendwo angestellt wurde. Aber das kann man, wenn’s darum geht, gegen trans Leute zu hetzen, ja schonmal unter den Tisch fallen lassen.

„(…)Dennoch bleibt Transsexualität für klassisch sozialisierte Homos eine zwiespältige Sache, denn sie hat zwar viel mit Homoerotik zu tun, treibt dieses Begehren aber eigentlich zu weit.(…)
Abgesehen davon, dass ich es unglaublich anmaßend finde, für alle („klassisch sozialisierten“) Homos zu sprechen: Transsexualität ist zu weit getriebene Homoerotik?
W T F?
Vielleicht wär’s gut, mal zwischen Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung unterscheiden zu lernen und sich WIRKLICH klar zu machen, dass das zwei völlig verschiedene Dinge sind. Wo der Zusammenhang ist, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Aber in meiner Welt gibt’s halt auch ganz viele verschiedene trans Menschen mit ganz unterschiedlichen sexuellen Vorlieben und nicht nur „Butches, die zu Männern werden“.
Vielleicht ist hier aber auch transamorous gemeint und der Fokus liegt – schon wieder – auf den verletzten Gefühlen der Lesben, die keinen Sex mit trans Männern haben können oder wollen. So oder so kann ich bei diesem Satz nur mit weit aufgerissenen Augen vor meinem Rechner sitzen.

Auch im folgenden wird immer wieder vom „sexuelle Orientierung wechseln“, einer „Trans-Mode“ (!) und sogar einer durch den „Trend zu Trans“ ausgelösten „feministischen Wut“ gesprochen. #Notmyfeminism, aber zum Glück beschränkt Roedig das wenigstens auf den Feminismus ihrer Generation.

Welchen Sinn „jeder Transmann ist eine verlorene Butch“ genau ergeben soll, weiß ich auch nicht – in Roedigs Welt gibt es wohl keine vorher sehr weiblich performenden, asexuellen oder schwulen trans Männer, sondern nur welche, die sich vor ihrer Angleichung als Butches bezeichnet und der lesbischen Szene zugehörig gefühlt haben und durch ihre Angleichung dann als Sexualpartner „verloren gehen“.
Und nun? Sollte man lieber mit cis Lesben um nicht stattfindende Orgasmen trauern und wüten als sich mit Menschen zu solidarisieren, die (oft) wirklich leiden und das NICHT, weil sie gerade mal keinen Sex haben können (was selbstverständlich auch nicht schön ist, wenn er gerade gewünscht wäre), sondern weil sie 24/7 als etwas gesehen werden, was sie verdammt nochmal nicht sind, die einen langen und oft steinigen Weg gehen müssen, um VIELLEICHT so gesehen werden zu können wie sie sind und die nicht nur mal potenzielle Sexpartner_innen, sondern in vielen Fällen Familie und Freunde verlieren?
Ja. Das ist eine rhetorische Frage.

Weiterhin frage ich mich, wo in diesem Szenario, in dem Transsexualität zu einer Maskulinisierung und „Aufwertung der Virilität gegenüber dem Weiblichen“ führt, eigentlich trans Frauen sind und was Roedig sieht, wenn sie von einem Umgang von trans Männern untereinander spricht, der „eher an die (…) schwule Subkultur“ erinnert – natürlich kann ich ihr ihren Erfahrungsschatz nicht absprechen, aber teilen kann ich diesen Eindruck beim besten Willen auch nicht. Normalerweise würde ich nun fragen, ob sie denn nur schwule trans Männer kennt, aber der Rest des Artikels spricht ja eindeutig eine andere Sprache.
Wichtige Info: Trans Männer sind Männer – so vielseitig in ihrer jeweiligen Persönlichkeit und damit auch sexuellen Orientierung wie cis Männer eben auch –  und für trans Frauen und Menschen, die sich im binären Modell nicht einordnen können, gilt das in Bezug auf deren Persönlichkeit genauso.

Dass Roedig das Wort „Geschlechtsangleichung“ das einzige Mal, das sie es verwendet, in Anführungszeichen setzt, ist für mich auch bezeichnend. Wenn sie von trans als „Mimikry ans herrschende Modell“ schreibt, frage ich mich: Was machen denn cis hetero Menschen? Etwa dagegen rebellieren? Und wie zum Teufel kann man überhaupt auf die Idee kommen, eine Geschlechtsangleichung – JA! Das ist das Wort, ohne Anführungszeichen! – wäre eine politisch motivierte „weibliche Aneignung des Phallus“ oder solle das sein? Weiblicher (!) Penisneid als Motivation, sich einer längeren Psychotherapie zu unterziehen, immer und immer wieder invasive Fragen wie „Wie oft haben Sie sich als Kind nackt im Spiegel angesehen und angefasst?“ (!) oder „Wenn ich Ihre Freundin wäre, wo dürfte ich Sie dann anfassen?“ beantworten zu müssen (Das ist nicht erfunden, das sind Fragen, die Gutachter_innen stellen!) und alle Nebenwirkungen, die Hormontherapie und eventuelle Operationen so mit sich bringen, in Kauf zu nehmen? Als Akt der Rebellion gegen Männlichkeit?

Ja, dass Andrea Roedig, wie sie selbst schreibt, „ein Problem“ hat, wird deutlich. Eins mit Männern. Und ihre eigene Transfeindlichkeit.

 

 


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30 Kommentare zu „Zur Problematik des ZEIT-Artikels.

  1. “ Und das heißt dann auch immer noch nicht, dass ein trans Mann sich nicht theoretisch weiterhin als Lesbe identifizieren könnte, wie ja wenigstens treffend bemerkt wird. Guydykes gibt es nicht nur unter cis Männern.“

    Guydyke verstehe ich nicht, schon gar nicht im Transbereich. Also das wäre grundsätzlich ein Mann, der sich aber lesbisch fühlt, also als Frau, die auf Frauen steht.
    Ein Transmann ist jemand, der körperlich wie eine Frau aussieht, sich aber als Mann fühlt und als Mann bezeichnet werden will.
    Damit wäre er dann innerhalb dieser Bezeichnung heterosexuell. Ist das nicht ein widerspruch dazu, dass Transmänner Männer sind?
    Das ein Transmann lesbisch ist wäre ja gerade die Anerkennung, dass derjenige eine Frau ist, denn sonst kann ja kein lesbischer Sex zustandekommen,

    Bei Männer, die sich lesbisch fühlen, also klassischen Guydykes, kann man eben auf das soziale Geschlecht abstellen, aber wie soll das bei Transmännern gehen?

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    1. Wer sich jahre- oder jahrzehntelang als Lesbe identifiziert hat, identifiziert sich nach seiner Angleichung nicht zwingend plötzlich als Hetero.

      Und nein, das ist kein Widerspruch – welchen Begriff Menschen für ihre sexuelle Orientierung wählen, kannst du ja nicht für sie entscheiden.

      Wenn sich ein trans Mann weiterhin als Lesbe identifiziert, ist das genauso okay wie wenn er sich als hetero bezeichnet.
      Klar wird’s in den meisten Fällen Letzteres sein -viele trans Männer können sich mit dem Begriff Lesbe auch vor ihrem inneren Outing nicht identifizieren, aber es MUSS halt einfach nicht so sein.

      Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung sind eben zwei verschiedene Dinge und Identitätskonzepte ein bisschen komplexer als „Wenn du X mit Y tust, bist du auf jeden Fall Z.“:)

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      1. Also bei:
        1. Transmänner sind Männer
        2. Lesben sind Frauen die Sex mit Frauen haben
        3. Transmänner können lesbisch sein

        siehst du keinen Widerspruch?

        Wie wäre es denn mit dem Satz „Einige Transmänner bezeichnen sich teilweise aus Gewohnheit als lesbisch, wären aber nach der Theorie hetero“

        Oder

        „Da Transsexualität eine Form der Intersexualität ist passen hier die Bezeichnungen lesbisch oder hetero im klassischen Sinne nicht, insofern kann man je nach Betrachtungsweise beide Bezeichnungen verwenden“

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      2. Doch, aber 2. ist halt anders und müsste heißen „Menschen, die sich als Lesben identifizieren, sind Lesben.“ 🙂

        Ich fände beide Alternativformulierungen anmaßend – es obliegt einfach nicht mir, zu beurteilen, warum sich jemand nun als lesbisch oder als hetero identifiziert – und ich würde damit Guydykes wieder „unsichtbar machen“. Denn es gibt sie und sie müssen sich eben nicht „als Frauen fühlen“, um sich als Lesben zu identifizieren.

        Btw: Ich finde Homo/Lesbe für mich auch passend, obwohl ich nonbinary und pansexuell bin. Dennoch fühle ich mich mit den Wörtern beschrieben.

        Mehr kann und möchte ich dazu ungern sagen, weil ich weder Guydyke noch Girlfag bin und keine tiefergehenden Spekulationen über anderer Menschen Identität anstellen will.

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      3. „Menschen, die sich als Lesben identifizieren, sind Lesben.” :-)“

        Also letztendlich die Theorie, dass alle geschlechtlichen Worte keinerlei feste Bedeutung mit einen objektiven Kern haben abseits der Selbstbezeichnung und damit letztendlich beliebig wären?

        Ich könnte mich jetzt also Lesbe nennen, obwohl ich mich als Mann fühle und mit Frauen schlafen will und du würdest fortan Heteros anhalten ihre Privilegien mir gegenüber zu beachten?
        Ich könnte mich auch Frau nennen und über weibliche Unterdrückungserfahrungen reden?

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      4. Wieso solltest du das tun, wenn’s nicht stimmt?
        Und hach, wenn’s doch nur so einfach wäre, dass die Selbstidentifikation aller Menschen so ernst genommen würde – aber nein: Warum solltest du als als Mann gelesener Mensch „weibliche Unterdrückungserfahrungen“ haben?

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      5. Das ist ja erst einmal eine andere Frage. Würde man es denn auf Ernsthaftigkeit hinterfragen dürfen oder wäre das schon ein Verstoß gegen die Selbstbestimmung. Und welche Kriterien wären an die Ernsthaftigkeit zu stellen?

        Weil ich mich schon immer als Frau gefühlt habe natürlich. Und damit bin ich eine Frau.

        Transfrauen haben also als Frauen weiterhin in der Kategorie Frau die Deutungshoheit der Frauen zu beachten und zuzuhören, zählen da also als Männer?
        (lediglich in der Transsexuellen-Kategorie wäre es anders)

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      6. Du würdest in dem Szenario ja dennoch als Mann gelesen und dementsprechend auch von Menschen als Mann und nicht als Frau behandelt werden, was klar scheiße wäre, aber ja nichts daran ändern würde, dass du weiterhin männliche Privilegien hättest.

        Das gleiche gilt für die Lesbensache: Als Guydyke in einer Beziehung mit einer Lesbe würdest du z.B. nicht von cis hetero Kerlen angegafft, denn ihr würdet als hetero Pärchen gelesen, also gäb’s kein Problem mit Male Gaze. ^^

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  2. „Eine Option wäre, Menschen einfach nach ihrem Geschlecht zu fragen, anstatt sie fremdpositionieren zu wollen. Dazu muss man gar nicht alle Möglichkeiten kennen, nur zuhören können.“

    Vielen Dank für deine Klarstellung!
    Der oben zitierte Abschnitt ist für mich die Schlüsselaussage. Der Rest unterstützt das nur noch.

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  3. Noch eine Anmerkung zum „genitalen Geschlecht“:

    Es sollte eigentlich völlig irrelevant sein, wird aber leider immer noch von staatlicher Seite als einziges Kriterium der Geschlechtszuweisung verwendet.

    Ich finde, jede Verbesserung der Situation von queer Personen muss genau dort ansetzen. Entweder kann sich jeder sein Geschlecht selbst aussuchen, oder aber, noch besser, man schafft Geschlecht als Kategorie in den Einwohnermeldeämtern komplett ab.

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    1. Ja. Dazu müsste es aber ein ganz massives gesamtgesellschaftliches Umdenken geben – solange „Wenn da ’n Schniepel ist, ist’s ’n Junge, wird blau angezogen und spielt mit Piraten und wenn nicht, wird’s sanftes rosarotes Prinzesschen“ in den Köpfen der Eltern ist, würde das wohl auch nicht allzu viel verbessen.

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  4. hej,

    vielen dank für deinen post! ich hab beim lesen des zeit-artikels auf jeden fall ein paar tränchen für die autorin vergossen. Die arme, menschen richten ihr leben nicht mehr nach ihrem begehren! (btw ich find wenn dann dieses: richte dein leben nach meinem begehren! einen sehr unangenehmen cis-männlichen geruch hat…)

    worüber ich aber auch bei deiner antwort auf ihren artikel hängengeblieben bin, ist die dringlichkeit das mensch nur (?) trans ist, wenn er_sie sich schon immer bzw. „in wahrheit“ als männlich/weiblich fühlt. du stehlst dieses „in wahrheit“ ihrem unsäglichen konzept von „trans als trend“ gegenüber, was ich prinzipiell auch sehr richtig finde. nur frage ich mich, ob es nicht auch ok sein kann trans für den moment oder von mir aus auch als trend zu sein. warum denn nicht? wem muss ich beweisen, wie ich mich gestern, heute, morgen fühle?

    ich habe das gefühl, dass das darauf hinausläuft das mensch eine geschlechtsidentität hat, und entweder als cis-mensch mit den bioglogischen merkmalen dieser identität geboren wurde oder als trans-mensch seinen_ihren körper der identität anpasst. Die geschlechtsidentität aber für den rest seines_ihres lebens behalten muss.

    ich würde mir wünschen, dass queer mehr als strategie verstanden wird, geschlechtsidentitäten generell zu dekonstruieren, auch über den weg ihrer vervielfältigung und verwirrung. in dem verständnis ist es für mich dann aber auch sehr ok wenn es menschen gibt, die trans als trend sein wollen. ist doch super, wieder ein schritt hin zu einer welt, wo alle das leben können, was sie wollen.

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    1. Danke für deinen Kommentar!

      Stimmt, „richte dein Leben nach meinem Begehren“ kommt auch meiner Erfahrung nach eher von cis Männern.

      Ich kann als genderfluider/genderqueerer Mensch sowieso nur ungefähr nachvollziehen, wie es ist, eine klar definierte binäre Geschlechtsidentität zu haben, die immer gleich bleibt – ich bin auch ganz bei dir, wenn es darum geht, dass es Menschen freistehen sollte, sich so auszuleben wie sie das möchten und ich glaube auch, dass die Geschlechtsidentität sich im Lauf eines Lebens mit Sicherheit verändern kann und ein Mensch sich mal als trans identifizieren kann und dann auch wieder nicht.
      Ich finde es nur wichtig, zwischen „trans sein“ und zwischen „aus anderen Gründen Hormone nehmen um den eigenen Genderausdruck zu verändern“ zu unterscheiden. Letzeres kann wegen mir jede_r tun, wie sie_er lustig ist und ich meine, dass es auch deutlich einfacher sein sollte, die entsprechenden Hormone/Hormonblocker zu bekommen – wenn die Verhütungspille in Massen an junge Mädels gegeben wird, damit die reinere Haut oder größere Brüste bekommen können, kräht ja auch kein Hahn danach. Aber da wären wir halt wieder beim Befriedigen des cis hetero-männlichen Begehrens. ^^

      Jedenfalls: Differenzieren sollte man aus meiner Sicht schon – zumindest, solange trans Menschen noch in der Form diskriminiert werden wie es aktuell der Fall ist. 🙂

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  5. Hm, ich habe den Artikel auch gelesen und fand ihn eigentlich ganz interessant, v. a. die These, dass ein Rat wie „Nimm doch Testo“, an einen Butch sowas wie eine „Rückheterosexualisierung“ bedeuten kann oder eine Verstärkung der traditionellen Binarität der Geschlechter darstellen kann. Also der Art „wenn du dich schon so „männlich“ aufführst, kannst du auch gleich Testo nehmen“. Das widerspricht tatsächlich sehr meinem eigenen Ideal „Frau sein / Mann sein kann man auf viele Weisen.

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    1. Ja – und wenn sie lediglich darüber geschrieben hätte, dass sie beobachtet, dass Butches, die sich nicht als trans identifizieren, anfangen, Testo zu nehmen, um männlicher zu wirken und dass sie das problematisch findet, wäre das auch ’ne ganz andere Sache. 🙂 Das, was DA allerdings rauskam, ist halt einfach nur ein Schlag ins Gesicht jeder trans Person – und auch aller Lesben, für die da stellvertretend gesprochen werden soll und die sich eben nicht „verraten“ fühlen.

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  6. „denn Feinberg entschied sich in einer Zeit zur Hormoneinnahme, in der man fürs Butch-Sein verprügelt und vergewaltigt, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen und nirgendwo angestellt wurde“

    Aber genau das könnte man ja im Sinne des Artikels deuten „Bevor ich als Butch wahrgenommen werde (in dem Kontext als sich männlich gebende lebische Frau), nehme ich lieber Testo, um dann tatsächlich als Mann wahrgenommen zu werden und endlich gefahrlos leben zu können, obwohl ich eigentlich mit dem Butch-Teil einer lesbischen Beziehung zufrieden wäre, und lieber als Frau, die sich „unweiblich“ gibt leben würde, wenn es eben nicht diese massiven Anfeindungen gäbe.“ Ich weiß nicht, ob es bei Feinberg so war, aber als theoretische Möglichkeit besteht es.

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    1. Nee, das seh ich wirklich ganz anders -denn es war eben kein Trend, keine fixe Entscheidung, kein „Och, ich könnt ja mal…“, sondern es ging darum, das eigene Überleben zu sichern.
      Und damals war das auch kein Rückschritt ins heteronormative System, denn das war ja kaum/nicht aufgelöst – das war etwa ein Jahr nach den Stonewall Riots.
      Das also im Zusammenhang mit einer „Mode“ und einem „Trend“ zu nennen, finde ich dreist.

      Mir sagte ein netter Mensch, dass es bei Pat Califia genauso dreist wäre, aber zu ihm muss ich mich erst noch belesen und ggf. ergänzen. 🙂

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      1. Es ging mir ja nicht um einen „Trend“ (und die Überschrift hat sicher wieder jemand anderer verfasst als die Autorin, das macht die Redaktion), sondern eben darum: Ist man eigentlich ein Butch im von mir genannten Sinne und will nur deshalb männlich werden, um Anfeindungen zu entgehen oder entspringt es wirklich meinem Innersten (wie sicher in den meisten Fällen).

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  7. Ist schon klar, dass die Geschlechtssetzkästchen- Sortierer_innen mit der Queerheit überfordert sind. (Obwohl mir der Gedanke kam, dass es manchmal ganz einfach ist: Transmann sein und Testo nehmen um Guydyke zu werden. Passt doch!)
    Die Schranken im Kopf machen das Problem. Die grundsätzliche Ablehnung jedweder Männlichkeit bei traditionellen Lesben, zum Beispiel. Da ist Trans & Co Verrat. Wie diskreditiert frau das am besten? Indem sie es als Trend, Mode, Manieriertheit oder gar als Wahn bezeichnet. Und schon arbeitet sie mit der homofeindlichen cis-Gesellschaft Hand in Hand.
    Merkwürdige Allianz.
    Da möchte ich nicht zugehören. Niemals!

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  8. Vielleicht sollte ich mal wieder in den Raum werfen, dass Transsexualität (nicht mit „Trans*identität“ zu verwechseln) generell erst einmal nichts mit „Identität zu tun hat, sondern mit einem Körper. Wenn der dann nicht der Norm entspricht und z.B. ein Mädchen (ich kann nicht für Jungs sprechen, also lass ich das am Besten) vermännlichte Körpermerkmale mitbringt, dann ist das, um was es sich dann handelt, „Transsexualität“: Was schon auffällt ist, wie in letzter Zeit viele Leute der Ansicht sind, dass ein Körper dasselbe sei wie Identität und die dann einfach sagen, „transsexuell“ und „transident“ seien zwei unterschiedliche Worte für ein und dasselbe. Ok… „Körper“ und „Identität“ sind dann dasselbe? Alles klar… vielleicht liegt die Verwirrung ja darin begründet, dass nicht jeder den Unterschied anerkennen will?

    Es gibt Städte, in denen die Menschen besonders ignorant sind und Vielfalt nicht anerkennen können (Also LSBTTIQA). In Berlin zum Beispiel. Und die Autorin kommt ja aus Berlin. Vielleicht liegt es daran.

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  9. Top Kommentar! Hab das Thema auf FB durchgekaut. Danach war ich für 1-2Tage voll unkonzentiert. Mich nervt sowas dermaßen. Daher war ich sehr glücklich über deinen schnellen und guten Kommentar. So ein Mist-Zeit-Artikel!

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