Die Sache mit den Pronomen.

(Dieser Blog-Eintrag knüpft an MisSirMindfuck an)

 

Ich war 12, als ich mich in Ash verliebte – und damit meine ich keine Person, sondern den Namen. Auch, wenn ihn heute fast alle mit Pokémon assoziieren: Damals wurde die Boygroup O-Town gerade ganz groß und einer der Jungs heißt eben Ashley.
Bis dahin war mir der Name nur als Frauenname geläufig und dass er auch für Männer verwendet werden konnte, faszinierte mich total. Also nannte ich meine Figur (damals zeichnete ich noch) Ashley.


Meine Faszination mit dem Namen hielt eine Weile lang an, dann vergaß ich das Ganze wieder. Bis mich letztes Jahr ein befreundeter trans Mann fragte, was denn eigentlich mein „richtiger“ Name wäre. Was ich sagen wollte, war:„Keine Ahnung, ich hab mir darüber nie Gedanken gemacht – mein Passing wäre eh total schlecht. Ich will da gar nicht drüber nachdenken, hat eh keinen Sinn.“ – eben die ganze Palette an Glaubenssätzen mal rausgehauen.
Was stattdessen raus kam: „Ash. I’ve always liked Ash.“
Ab diesem Zeitpunkt war der Name wieder in meinem Kopf und damit kamen natürlich auch eine ganze Menge limitierender Glaubenssätze. „Du kannst doch nicht im deutschen Sprachraum Ash verwenden, da schauen dich doch alle nur irritiert an“, „Vielleicht ist es der FALSCHE Name, denk lieber nochmal darüber nach“ und letztendlich natürlich, nachdem ich die ersten Reaktionen darauf kannte, auch „Verdammte Scheiße, wenn du den nimmst, musst du dir dein Leben lang Pokémon-Witze anhören.“.
Zum Glück hab ich großartige Freunde, die, ohne, dass ich sie direkt darum gebeten habe, einfach dazu übergegangen sind, mich Ash zu nennen und coole Dinge sagten wie:„Ist doch geil! Wenn du zu mir auf ’ne Party kommst, lass ich für dich immer erstmal als Eingangssong das Pokémonlied laufen.“ oder „Siehste. Und deswegen bist du mein bester Freund, Ash.“
Was ich außerdem an Ash mag: Ich hab einen sehr aschigen Haarfarbton und das hat mich immer genervt. Mit „Ash“ passt das irgendwie plötzlich total. Und ein Phönix kommt ja auch aus der Asche, ne!? 😉

So viel also dazu. Was Pronomen betrifft:
Ich akzeptiere, dass Menschen „sie“ verwenden, wenn sie von mir mit meinem Geburtstnamen sprechen (weil das aus irgendwelchen Gründen gerade sein muss), aber ich bitte alle, die das lesen, wirklich sehr darum, im Kombination mit Ash entweder „sie_er“ oder „er_sie“ zu verwenden.
Also: „Liebe_r Ash, wie geht es dir?“, „Ash hat einen Hund und der ist ihm_ihr sehr wichtig.“, „Was hältst du von Ash? Magst du sie_ihn?“, „Wo ist Ash? Wollte sie_er nicht auch hierher kommen?“ und „Ist das nicht Ash(‘)s Jacke? – Ja, ich glaube, das ist seine_ihre Jacke.“, „Das ist mein_e Freund_in Ash, die_der auch bloggt.“ (Gesprochen wie im Audiofile zum Beitrag. ;-))
Sprechen könnt ihr „sie_er“ wie ihr wollt, entweder mit dem Unterstrich als Pause, als ein Wort (sier, ersie, etc.) oder sonstwie. 😀
Auch „sier“, „sihn“, „sihm“ statt „sie_er“, „sie_ihn“ oder „sie_ihm“ sind super.

Im Englischen bitte dementsprechend „they“.

Selbstverständlich gibt es ganz viele verschiedene Möglichkeiten, geschlechtsneutrale Pronomen zu verwenden.

Eine Person, die ich sehr lieb habe, hat auch im Deutschen das Pronomen „they“.
Also: „They mag Katzen.“, „Katzen mögen them,“ „Die Katze hat their Hemd kaputt gemacht“, „Der Teller ist theirs.“ und so weiter.
Finde ich ziemlich cool und obwohl ich erst dachte, ich müsse mich daran gewöhnen, Deutsch und Englisch zu mischen, war das gar kein Ding (und übrigens schaut auch niemand seltsam, wenn man von Menschen mit „they“ spricht, falls ihr meint, das ginge deswegen nicht. 😉 ).
Wenn euch das leichter fällt, könnt ihr auch im deutschen „they“ für mich verwenden. Das Relativpronomen wäre dann entsprechend „who“. „Das ist Ash, who ebenfalls bloggt.“ oder so.

Ergänzung (DANKE an „Pennyroyal Tea“!): Ihr könnt auch einfach „A“ nehmen – englisch gesprochen halt. „A hat gesagt, dass A heute nicht mitkommen möchte.“, „Das ist A’s Jacke.“, etc. pp.
Als Relativpronomen dann eben weiterhin „die_der“ oder „who“. :-))

Weiterhin kenne ich einige liebe Menschen, die „es“ und „das“ für sich verwenden.
(Wäre dann, wenn ich die verwenden würde, also zum Beispiel: „Liebes Ash, wie geht es dir?“, „Ash hat einen Hund und der ist ihm sehr wichtig,“, „Was hältst du von Ash? Magst du es?“, etc.)
In Bezug auf mich möchte ich „es“ bitte nicht als Pronomen verwendet haben. 🙂

Im Deutschen wird auch „xier“ von Anna Heger gern verwendet. Dazu könnt ihr hier etwas mehr lesen.

In Schweden gibt’s „hen“ und auch das verwenden manche Menschen für sich.

Im Englischen gibt’s auch noch ze und zir.

Ganz viele Menschen haben weitere Pronomen entwickelt, aber ich belasse es mal bei denen, die aus meiner Sicht am geläufigsten sind (korrigiert mich da gern!).
Wie ist das bei euch? Verwendet ihr selbst neutrale Pronomen? Kennt ihr Menschen, die’s tun? Was sind eure Erfahrungen damit?

Startet gut in die Woche!
Ash

 


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16 Kommentare zu „Die Sache mit den Pronomen.

  1. Hey Ash, läuft. Für mich ist das eine klare Sache, wie Du angesprochen werden möchtest und ich werde mich dran halten.
    Was ich gerne mit dir z.B. am Tel. für mich klarkriegen möchte ist die Sache mit den Pronomen. Für mich ist „er_sie“ etwas holprig, zumindest jetzt gerade. Da lass uns drüber sprechen.
    ❤ Sarah

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  2. Ich hab nicht alles gelesen, aber ich mag Ash und ich finde das passt total gut zu Dir, ich hab allerdings nix mit Pokemon assoziert, weil ich die nicht wirklich kenne. Ich hab an Asche gedacht und Phönix aus der Asche…Asche is ja auch so ne Essenz aus Material + Luft * Feuer. Kann als Dünger verwendet werden und ist wunderbar weich. Hilft beim transformieren usw. 😀 so meine Assoziationen

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  3. Hallo Ash,
    Der Name begeistert mich total. Ich werde dich ab sofort immer so nennen.
    Ich habe mich spontan an einen Roman erinnert, in dem eine Irin die Hauptfigur war, die Aisling (gesprochen: Äschling) hieß. Hier ein Link zu Wikipedia: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Aisling_(name)
    Was die Pronomen angeht, ist meine Ansicht, dass die Sprechbarkeit essentiell ist. Konstrukte, die nur auf dem Papier funktionieren, sind m.e. sinnlos. Was mir gefällt, ist die Variante mit „sier“, „ihrm“ usw.
    Da werde ich mal ein wenig mit rumexperimentieren.
    Zum Glück gibt’s ja mit dem „du“ keine Schwierigkeiten 🙂
    Liebe Grüße
    hataibu

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