(Don’t) Splain it to me, Baby!

Der Blog-Eintrag als Audiofile:

Gestern hab ich endlich etwas getan, was ich seit Monaten tun wollte: Meinen persönlichen Lieblings-Splaining-Song aufgenommen.

„Hä, was für ein Ding?“, denkst du jetzt vielleicht.
Splaining (Englisch „to explain“= erklären) ist, einer Person etwas ungefragt und auf überhebliche Art erklären.
Wenn du hier gelandet bist, ist es sehr gut möglich, dass du das gerade getan hast und ich oder irgendwer anders dir deswegen diesen Link geschickt hat.

(Video entfernt, weil ich selbst es nicht mehr mag. Wird evtl. erneuert. Zum weiteren Verständnis: Ich hatte „King of Anything“ von Sara Bareilles gecovert.)
Vielleicht hast du jetzt schon verstanden, worum es geht.

Es kommt sehr häufig vor, dass Menschen (meistens Männer) aus einer privilegierten Gruppe Menschen aus einer diskriminierten Gruppe etwas splainen.
Das liegt in gewisser Weise in der Natur der Sache, weil Menschen mit mehr Privilegien es gewohnt sind, dass ihnen zugehört wird und ihre Sichtweise und ihre Realität ernst genommen werden.

Ein Beispiel: 10 Menschen sind in einem Raum, eine Person davon ist nicht weiß, der Rest schon. Es passiert etwas. Die nicht-weiße Person sagt: „Das ist rassistisch“.
Die weißen Personen verstehen es nicht, machen aber 90% der anwesenden Menschen aus und es ist gut möglich, dass sie dadurch keine Notwendigkeit sehen, die Sache zu überdenken.
Sie werden dadurch, dass sie immer und überall in der Mehrzahl sind, seltener für diskriminierendes Verhalten kritisiert und wenn es mal passiert, sind in 99% der Fälle mehr Menschen anwesend, die das Problem nicht sehen, wodurch sie davon ausgehen, dass das Problem nicht existiert.

Gerade deswegen ist es wichtig, sich mit gesellschaftlichen Strukturen auseinanderzusetzen und sich bewusst zu machen, dass Lebensrealitäten unterschiedlich sind und es Dinge gibt, bei denen man besser einfach mal die Klappe hält, solange man nicht selbst betroffen ist – und nee, mit wem befreundet sein, die_der betroffen ist, zählt nicht. 😉

Ein paar Beispiele für Splaining:

Mansplaining ist, wenn ein Mann einer Frau* etwas splaint – passiert häufig in Bezug auf beispielsweise Technik, gerne auch in Bezug auf Sexismus.

Cissplaining ist, wenn eine cis Person (cis ist das Gegenteil von trans, also ein Mensch, dessen Geschlechtsidentität mit dem ihm bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt) einer trans Person etwas darüber erklärt, wie oder was es ist, trans zu sein oder was transfeindlich ist. Ein trauriges, bekannteres Beispiel war der Film „The Danish Girl“  und die Reaktionen auf die Kritik daran.

Whitesplaining ist, wenn weiße Menschen People of Color oder Schwarzen erklären wollen, was Rassismus ist.
Zum Beispiel Chris Tall („Comedian“, den ich nicht verlinken werde), der meint, es wäre total richtig, Witze über baumwollpflückende Schwarze zu machen, denn es wäre ja umgekehrt diskriminierend, wenn er es nicht täte, weil sie schwarz sind.
Einen sehr aktuellen Vorfall hat außerdem Eishle in Warum ich mich nicht für Wikipedia engagiere geschildert – wer einen Nutzer-Account bei Wikipedia hat, kann da übrigens auch gleich mal dazu beitragen, dass die entsprechenden Leute mit ihrem Splaining nicht durchkommen – dankeschön! 🙂

Ablesplaining ist, wenn nicht-beHinderte Menschen beHinderten Menschen erklären, was ableistisch (behindertenfeindlich) ist oder wie sie mit ihren beHinderungen umzugehen haben.
Ein recht aktuelles Beispiel ist der Werbespot von Jung von Matt gegen Untertitel und deren Umgang mit der Kritik von Betroffenen (in den Kommentaren ist auch schön zu sehen, dass es in den meisten Fällen weiße Männer sind, die splainen):
Ablesplaining auf Facebook und Noch mehr Ablesplaining auf Facebook.

Straightsplaining ist, wenn hetero Menschen Menschen, die nicht hetero sind, erklären was feindlich gegenüber Nicht-Heteros ist und was nicht.
Ein Beispiel (CN Ableismus, Homofeindlichkeit):

Ein weiteres sehr aktuelles Beispiel für Straightsplaining ist in folgendem Video (auf englisch) zu sehen, in dem es um den Anschlag in Orlando geht. Owen Jones weist mehrfach darauf hin, dass es sich um gezielte Attacken gegen LGBTTIQA-Menschen handelte. Die beiden Moderierenden dagegen beharren darauf, dass es sie als hetero Menschen genauso hätte treffen können und tun so, als wäre es reiner Zufall, dass der Amokläufer einen LGBTTIQA-Treffpunkt für seinen Anschlag wählte:

Natürlich passiert das aber nicht nur Menschen aus diskriminierten Gruppen – bestimmte Themengebiete scheinen besonders geeignet für Splaining. So bekomme ich das zum Beispiel häufiger mal bei Frank mit, der nicht nur ein echtes Superhirn ist, sondern jahrelange Erfahrung als Top-Sportler und Trainer gesammelt und dazu ein vielgefeiertes Buch geschrieben hat. Das hindert fremde Leute trotzdem nicht daran, ihm zu erklären, dass sie mal irgendwann in einem halbseitigen Artikel ohne Quellenangabe irgendwo im Netz gelesen haben, dass eigentlich alles ganz anders ist und der beste Muskelzuwachs durch einen Trainingstag pro Woche und dazu einen Liter Gerstengrassaft erzielt wird. Oder so.

Zusammengefasst:

Splaining nervt. Du bist nicht direkt ein riesengroßes Arschloch, wenn du dich irgendwo wiedererkannt hast, aber ein „Willst du dazu was hören?“ oder „Möchtest du Tipps?“ und einfach häufiger mal davon auszugehen, dass die andere Person weiß, wovon sie spricht, ist deutlich höflicher als ungefragt deinen Senf zu allem abzugeben.


Wie du vielleicht weißt, kann ich aufgrund meiner beHinderungen keiner „normalen“ Erwerbstätigkeit nachgehen und mich hier und in sozialen Netzwerken aktivistisch zu betätigen, ist quasi mein Job. Falls dir gefällt, was ich mache, und du mich und den Vierbeiner mit einem kleinen Betrag unterstützen möchtest, kannst du das zum Beispiel  über meinen Amazon-Wunschzettel, über Gynny oder über Patreon:-) Danke dir sehr! ❤

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24 Kommentare zu „(Don’t) Splain it to me, Baby!

  1. Hallo, Danke für den Beitrag. Ich finde es übrigens ganz Großartig, dass du das Ganze auch aufnimmst! War in der Vergangenheit etwas leise, ist jetzt aber super. Achtung, ich bin mir der Ironie bewusst, dass jetzt Mansplaining folgt, aber es dient nur meiner Aufklärung:
    Zwei Punkte die mich noch umtreiben: Ich finde die Beispiele für Cis-, White usw. splaining auch verständlich und leuchten mir auch ein. Bei Mansplaining finde ich es etwas merkwürdig. Nehmen wir an, in dem anderen Straightsplaining Beispiel wäre Person links eine Heten Frau und Person rechts ein Heten Mann. Es wäre klassisches Mansplaining, ungefragtes Erklären inkl. lehrerhaften Auftreten mit „Denk mal über deine Wortwahl nach!“. Ich persönlich finde aber die Intervention da richtig und wichtig.
    Zweiteres. „Ungefragt“. Auch ist der grundlegende Vorwurf „Wer hat dich eig. nach deiner Meinung gefragt?“ nur zulässig, wenn es sich um persönliches Gespräch oder z.B. eine private Facebookseite handelt. Medien wie Twitter leben einzig und allein dadurch, dass jegliche Kommunikation (ungefragt) öffentlich ist. Und wenn jemand in den öffentlichen Raum hineinschreibt erwartet er ja auch Reaktionen.

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      1. Vielen Dank für die Erklärung. Ja, diese Definition hat mich irritiert, denn sie unterscheidet sich ja von den Anderen, indem sie nicht auf Diskriminierung der Gruppe abzielt, sondern auf jeden alles. Und auch ja zu zweiterem. Trotzdem glaube ich, dass es hilft das Weltbild zu beschreiben in dem man selbst lebt, um vom Gegenüber verstanden zu werden.
        Und auch ja zum dritten.

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      2. Ähem. Du tust es schon wieder. Ist das sowas wie ein mentaler Schwanzvergleich?

        Natürlich ist es diskriminierend. Es dient den Zweck Frauen kleiner, schwächer, dümmer erscheinen zu lassen.

        Deine Art zu kommunizieren dient lediglich deinem Ego. Sonst niemanden. Also spar dir die Worte.

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    1. Hi, danke fürs Danke! 🙂

      Du blendest da halt gerade die jeweiligen Machtstrukturen und Kontexte aus/vermischst sie. Es WAR eben kein Mann, der einer Frau IRGENDetwas erklärte, sondern ein cis hetero Dude, der sich diskriminierend verhielt und nach dem Hinweis darauf meinte, splainen zu können, warum sein Verhalten okay wäre.

      Zum zweiten Punkt: Auch im Netz und im sonstigen öffentlichen Raum gibt es Grundregeln zwischenmenschlichen Zusammenlebens (und der Höflichkeit), an die man sich halten könnte und sollte.
      Wenn du im Café sitzt und dich mit einem Freund unterhältst, reagierst du vermutlich auch irritiert, wenn sich plötzlich eine Person vom Nebentisch ins Gespräch einmischt/dauernd Kommentare einwirft. Das ist im Netz ja nicht anders.

      Also nochmal ein Beispiel, vielleicht macht es das für dich leichter verständlich. Ich postete vor ein paar Tagen ein Foto von mir, auf dem ich ein Shirt anprobierte, das bei mir aussieht wie ein Kleid, mit dem Kommentar „Ich (fast) immer, wenn ich ein neues T-Shirt anprobiere. (Ja, das ist bereits Kurzgröße.)“ und noch zwei Tweets dazu: https://twitter.com/_FL_ash/status/739825684105859073
      Irgendein fremder Typ fühlte sich dann bemüßigt, zu kommentieren „Sei froh dass du nicht so n Hungerhaken bist wie das Model – ich würd der erst mal was zu essen geben.“.
      Das ist ein Kommentar, der auf total vielen Ebenen daneben ist. Und dass mein Tweet öffentlich ist, ändert nichts daran, dass kein fremder Mensch so einen Kommentar abzulassen hat. Er drängt mir damit sowohl sein Schönheitsideal auf, macht mich und das Model zum Objekt (ehrlich, was interessiert mich, ob ein fremder Typ meine Figur gut oder scheiße findet oder wie ihm das Model gefällt) UND dazu kommt diese „väterliche“ Ebene: „Sei mal froh, dass…“ und „der würd ich erstmal was zu essen geben.“.

      Oder: In meinem Tinder-Profil steht „Geschlecht: Genderqueer“ und „Falls du nicht weißt, was das ist, lies bitte nach, bevor du mich anschreibst.“ Gestern bekam ich eine (erste) Nachricht von einer Person, mit den Worten: „Du bezeichnest dich als genderqueer. Findest du nicht, dass das heutzutage normal und der Begriff überflüssig ist?“ Natürlich stellte sich heraus, dass die Person nicht wusste, was es ist und einfach der Meinung war, es gebe sowieso keine klassische Rollenverteilung mehr in unserer Gesellschaft.
      Und nein, weil ich irgendwo darüber schreibe, muss ich nicht damit rechnen, dass mir fremde Leute, die nicht mal wissen, worum es geht, in meine Selbstbezeichnung reinreden. (Wäre auch daneben, wenn er gewusst hätte, worum es geht.)

      Meinungen zu irgendwelchen _allgemeinen_ Themen abgeben oder einer Person, die fragt, etwas erklären, ist die eine Sache, übergriffiges Verhalten, Leute unterbrechen und/oder in Dinge reinreden, die eine_n weder angehen noch direkt betreffen, was anderes.

      Wenn so was trotzdem passiert, ist nicht die Person schuld, die was postet oder sich auf der Straße bewegt oder im Café sitzt, sondern der Mensch, der keine Grenzen wahrt und sich respektlos verhält.

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      1. Der Gedanke, der hinter meinem verdrehten Beispiel steckte war, dass es bei der Mansplaining Definition durchaus Möglichkeiten gibt, wo es imho sogar notwendig ist, bei den anderen -splainings kann ich mir das nicht vorstellen.
        Realweltvergleiche führen uns wohl nicht weiter, aber um im Bild des Cafés ist ein Tweet eben ein laut gerufener Satz. Ohne konkreten Adressaten und für alle wahrnehmbar. Mit deinem Tweet willst du ja, dass Menschen das mitbekommen und darauf reagieren. Dass jemand das benutzt um deinen Körper zu kommentieren, finde ich bescheuert.
        Ich habe vor solchen Kommentaren zum Beispiel Angst (unterirdisches Selbstwertgefühl lässt grüßen), deswegen zeige ich auch nie Bilder von mir bei Twitter. Bei Facebook habe ich dabei kein Problem, weil es eben nicht jeder sehen kann. Es ist definitiv keine Entschuldigung für irgendwelche Übergriffigkeit oder Gehässigkeit; aber ich habe da einfach keine Kontrolle über die lieben Mitnutzer.
        Ich glaube mit deinem vorletzten Absatz hast du ziemlich auf den Kopf getroffen, was mit im Kopf herum ging. Ich denke, ich muss da noch eine größere Sensibilität entwickeln. Ich glaube das hat damit zu tun, dass ich im realen Leben ein ganz schlimmer splainer bin und immer alles durchdiskutieren will. Ist so eine spätpubiertäre Unart, die ich nie ganz abgelegt habe.

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      2. :-/ Tut mir leid, dass dir das mit den Fotos so geht.
        Und genau das ist es eben, was ich meine: Es sollte nicht so sein, dass du (oder ich) schon aus Angst und quasi in vorauseilendem Gehorsam irgendwo keine Fotos posten, weil es übergriffige Kackbratzen gibt, die sonst solche Kommentare ablassen.

        Und klar, für mich ist das relativ einfach. Ich bin weiß, man sieht mir meine BeHinderungen (meistens) nicht an und ich bin objektiv betrachtet nicht dick/fett, weiche also in keinem Fall extrem von dem ab, was als normschön gesehen wird.
        Ich muss nur mit sexistischen und manchmal ableistischen Kommentaren rechnen, aber zumindest nicht mit rassistischen oder fatshamenden. :-S

        Menschen können da einfach sehr scheiße sein.

        Und ich denke auch, dass eigene Achtsamkeit da sehr weiterhilft.
        Ich glaube, dass die meisten Menschen mal splainen (im Sinn von ungebetene Ratschläge geben) und dann erst im Nachsatz merken, dass das grad nicht gewollt war.
        Wichtig ist’s halt aus meiner Sicht, sich dann zu entschuldigen und generell drauf zu achten, dass das nicht (häufig) passiert. 🙂

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  2. Hallo Ash,

    Du hast natürlich recht, dass es Formen von *splaining gibt, die schlicht nerven. Und dazu hast Du die Beispiele treffend ausgewählt.

    Das Problem, das ich mit dem Konzept des *splaining als Vorwurf habe, liegt darin, dass es allzu leicht und allzu gern verwendet wird, um anderen pauschal den Mund zu verbieten.
    Etwa in der Form:

    „Deine Art zu kommunizieren dient lediglich deinem Ego. Sonst niemanden. Also spar dir die Worte.“

    Was nun seinerseits eine drastische Form von Womansplaining war.

    „Du blendest da halt gerade die jeweiligen Machtstrukturen und Kontexte aus/vermischst sie. Es WAR eben kein Mann, der einer Frau IRGENDetwas erklärte, sondern ein cis hetero Dude, der sich diskriminierend verhielt und nach dem Hinweis darauf meinte, splainen zu können, warum sein Verhalten okay wäre.“

    Erstmal: Das Verhalten bzw. die Äußerungen des Typs SIND diskriminierend und daneben, das will ich nicht bestreiten, da sind wir uns also einig. Deine Behauptung/Annahme, das hätte mit „Machtstrukturen“ zu tun, teile ich nicht – jedenfalls nicht insoweit, dass ich die Annahme herauslese, der Mann hätte da „als Mann“ eine „Machtposition“. (eher vielleicht eine Cis-Machtposition. Als solche finde ich im übrigen auch, dass das Geschlecht der beiden völlig schnurz ist. Ich finde die „Argumentation“ von links genauso daneben, wenn links eine hetenfrau schreiben und rechts ein Mann intervenieren würde. Auch eine Frau hat sich in meinen Augen so nicht über Schwule zu äußern. Kenne ich aber genau so ebenfalls. Sieht das hier jemand anders? Vielleicht wegen einer anderen „Machtposition“ von Frauen? )

    Die hat er nicht mehr als Nina J gegenüber kreuterzucker, wenn sie ihn zusammenscheißt mit (so.o) „Deine Art zu kommunizieren dient lediglich deinem Ego. Sonst niemanden. Also spar dir die Worte.“
    Das tut sie an der Stelle nämlich aus dem Selbstbewusstsein und der (jawoll) Machtposition heraus, eine Frau zu sein, die sich „irgendwie“ von Natur aus auf ihre Opferrolle beruft und sich von einem Mann so rein gar keinen Kommentar anhören muss.
    Zum Thema Machtposition aus einer Opferrolle heraus wissen Psychologen durchaus einiges zu sagen. (wäre sowas nicht auch mal einen Blogbeitrag wert?) Narzissmus und Borderline stehen direkt um die Ecke.

    Frauen haben in solchen Diskussionen gegenwärtig eine sehr viel größere Diskursmacht, Männer abzukanzeln und zum Schweigen zu verdonnern, als umgekehrt. Fällt das nicht auf: Kreuterzucker macht seinen Vorstoß gradezu übervorsichtig mit Erklärung und vor-Entschuldigung, dass er jetzt was schreibt, was vieleicht und möglicheweise selbst als mansplaining aufgefasst werden können würden wird – lauter Bücklinge, um möglichst nix falsch zu machen und gnädigerweise erhört oder angehört zu werden.
    Nutzt natürlich alles nix, gerade dann wird er sofort dafür abgewatscht. DAS ist heute gängige männliche Erfahrung. Hegemonial oder „mächtig“ ist daran rein gar nichts. Ich sehe es eher als Illustration eines genau umgekehrten Machtverhältnisses, über das Frauen vielleicht etwas öfter reflektieren sollten.

    „Es kommt sehr häufig vor, dass Menschen […] aus einer privilegierten Gruppe Menschen aus einer diskriminierten Gruppe etwas splainen.“

    Ah, genau.
    Mir fallen da ein: Frauen, die Männern sagen, sie sollten gefälligst „zuhören und die Klappe halten“.
    Diskurskontrolle, splaining, Einschüchterung, Mund verbieten, zum schweigen bringen, Machtausübung. Alles vom feinsten.

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    1. Hi,

      nee, natürlich stände es auch einer hetero Frau nicht zu, sich so zu äußern. Deswegen steht das Beispiel ja auch unter „Straightsplaining“.
      Die Machtposition (durch Heteronormativität und Heteros in der Mehrheit) führt eben nur dazu, dass der Typ (in dem Fall) sich im Recht fühlt.
      Er ist Ende 20 (ich meine, 28, war nur ein flüchtiger Bekannter, den ich danach blockierte) und ich war wohl der erste Mensch, der ihn darauf hinwies, dass das, was er da von sich gibt, nicht cool ist, das lässt schon tief blicken.
      Seine Reaktion war ja auch eine sehr deutliche Abwertung von mir („Was geht bei dir für’n Film?“) und das ist, was sehr häufig passiert, wenn auf Diskriminierung hingewiesen wird. Er war auch dabei, noch mehr zu schreiben, aber ich hab ihn vorher blockiert, weil mir das reichte um zu wissen, dass da nichts bei rumkommen wird.

      Deine persönliche Wahrnehmung kann ja so sein, dass Frauen in irgendeiner Machtposition sind, aber es gibt halt ausreichend Studien, die belegen, dass dem nicht so ist, dass Männer generell häufiger und mehr reden als Frauen, mehr ernstgenommen werden und dass selbst weibliche Autoritätspersonen und Fachleute deutlich häufiger unterbrochen werden als Männer.
      (Bsp: Ärztinnen werden deutlich häufiger von Patienten unterbrochen, am meisten, wenn es junge Ärztinnen sind.)

      Und nebenbei hab ich ja oben auch die Facebook-Links zu der Sache um Jung von Matt eingefügt. Auch da wird sehr deutlich, dass da eben größtenteils Typen kommentieren und splainen und ihr „Ihr seid alle überempfindlich!“ raushauen, was eben vor allem gegenüber Frauen und Marginalisierten verwendet wird. Du tust es ja auch, wenn du irgendwas von „Opferrolle“ schreibst.

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  3. Ganz allgemein ist es die „intersektionale“ Grundannahme, dass Diskriminierung immer nur in eine Richtung „tatsächlich“ möglich wäre, die ich so als Grundmusik überall in Deinem Artikel heraushöre und die Du mit deinen (dafür gut gewählten) Beispielen zu illustrieren versuchst.

    Dazu greife ich nochmal das erste heraus:
    „10 Menschen sind in einem Raum, eine Person davon ist nicht weiß, der Rest schon. Es passiert etwas. Die nicht-weiße Person sagt: „Das ist rassistisch“.
    Die weißen Personen verstehen es nicht …“

    Soweit kann ich Dir folgen und stimme Dir zu.
    Was an der Stelle von einem Farbigen so wahrgenommen wird, hat Gewicht und kann nicht einfach vom Tisch gewischt werden.
    Falsch hingegen fände ich die Vorstellung, dass weiße in der Situation zum Thema Rassismus nichts zu sagen haben sollten.
    Noch falscher fände ich die Annahme, dass nur weiße gegen schwarze rassistisch sein könnten, umgekehrt nicht.

    Was ist mit einer umgekehrten Situation:
    10 Menschen sind in einem Raum, nur eine Person davon ist weiß, die anderen von einer selben, sagen wir schwarzen Ethnie. Können diese farbigen gegen den weißen rassistisch diskriminieren? Aber sicher doch. Ist die Wahrscheinlichket dafür hoch? Ich würde sagen, ja.

    Irgendwo hatte ich mal geschrieben, dass die Apartheid in Südafrika und ein wesentlicher Teil des dortigen Rassismus nur überwunden werden konnte, weil eben nicht nur le Clerk für die weißen bereit war, Rassismus aufzugeben – sondern weil gleichzeitig auch Nelson Mandela für den ANC bereit war, schwarzen Rassismus aufzugeben bzw. nicht zu „pflegen“. Ohne das wäre es nicht gegangen.
    Wäre das nicht so, wäre im übrigen der Friedensnobelpreis für Mandela völlig überflüssig und daneben gewesen – dann hätte le Clerk den Nobelpreis alleine bekommen müssen. Mandela hätte dann ja gewissermaßen gar nichts geleistet. Er hätte ja keine Verantwortung für irgendwas an der Situation gehabt.

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    1. Selbstverständlich können sich Schwarze (das oder People of Color ist der Begriff, nicht „farbig“ oder „dunkelhäutig“ – falls du Erklärung brauchst: http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41722/kleiner-formulierungs-ratgeber-fuer-journalisten, auch solche kleinen Dinge sind eben Rassismus) gegenüber Weißen scheiße verhalten.
      Das ist dann für die_den betroffenen Weißen eine scheiß Situation, macht Weiße aber längst nicht strukturell diskriminiert. Sie_Er kann trotzdem danach auf die Straße gehen, ohne mit rassistischen Beschimpfungen oder Übergriffen rechnen zu müssen (allein in der letzten Woche wurde mehrfach in Deutschland auf Menschen geschossen, weil sie nicht weiß sind, hast du ja vermutlich mitbekommen), sie_er wird nicht ständig als nicht dazugehörig wahrgenommen und behandelt, etc.

      Und nebenbei ist es halt aus meiner Sicht auch ’ne Frage von Ursache und Wirkung. So viele Schutzräume gibt’s für People of Color/Schwarze nun nicht und es ist halt gut möglich, dass der weiße Mensch sich da drin auch rassistisch verhält. Da ist dann nur ausnahmsweise mal wegen umgekehrter Mehrheitsverhältnisse die Möglichkeit da, die Person das auch spüren zu lassen und im Alltag halt nicht.

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      1. Viel Stoff, Ash.
        Ist jetzt eher Zufall, an welchem der angerissenen Themen ich grade intensiver antworte. Also:

        „das oder People of Color ist der Begriff, nicht „farbig“ oder „dunkelhäutig“ – falls du Erklärung brauchst: […]“

        Noch ehe der Begriff sich umgangssprachlich wirklich durchgesetzt hat, noch ehe das Jahrzehnt um ist wird bestimmt auch der Begriff „people of Color“ wieder in Ungnade gefallen sein und durch ein neues Buzzword ersetzt worden sein.
        Denn es geht den Sprachpolizisten nicht um einen Ausdruck von „Respekt“ gegenüber den Bezeichneten, sondern um den „Nachweis“ eines behaupteten Rassismus bei den unbedarften, die irgendwie mit und über nicht-weiße in irgend einer Form sprechen wollen.
        Daher werden immer genau solche Bezeichnungen zur Zielscheibe eines „Rassismus“-Vorwurfs, die gerade etabliert sind. Wenn viele den Ausdruck verwenden, muss ja genau das ein Beleg für den inhärenten Rassismus sein, den es ja nachzuweisen gilt, dass er überall vorhanden ist …
        Jeder Ausdruck ist angreifbar, für jeden Ausdruck lässt sich eine verkopfte Erklärung erfinden, warum der absolut unmöglich und rassistisch ist. Der beständige Wechsel der Ausdrücke hat System und ist Selbsterhaltend. https://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus-Tretm%C3%BChle nennt sich das.

        Und so wird gerne auch mal ein schwarzer Autor wie Marius Jung von den politisch Korrekten als Rassist beschimpft, weil er sich nicht an deren Sprachregelungen halten mag und gar wagt, sich humoristisch darüber zu äußern. http://www.sueddeutsche.de/panorama/anti-preis-an-marius-jung-ich-dachte-zuerst-es-ist-ein-scherz-1.2008172
        Humor, das geht bei totalitären Ideologen gar nicht, da unterscheiden die heutigen sich in nichts von allen anderen.

        Sind wir uns an der Stelle einig, dass es sich dabei um einen der von Dir benannten Fälle von Whitesplaining handelt, bei dem „weiße Menschen People of Color oder Schwarzen erklären wollen, was Rassismus ist“ ?

        Und ist es nicht auch ziemlich übel ageistisch z.B. gegenüber Leuten wie meiner Mutter, die 86 Jahre alt ist und immer noch jeden Geldbetrag als „Mark“ bezeichnet, obwohl der Euro als Alltagswährung nun 14 Jahre alt ist?
        Diese 14 Jahre sind durchaus länger als die Halbwertszeit „politisch korrekter“ Ausdrücke. Und gerade ein Ausdruck wie die „piepel of kaller“ ist für sie, die kein Englisch spricht, vor allem unverständliches Kauderwelsch.
        Ältere Menschen tun sich nunmal schwerer damit, sich ständig neue Begriffe an- und wieder abgewöhnen zu müssen. Auch auf sowas sollte man gelegentlich Rücksicht nehmen, finde ich. Gerade in einer Welt, in der es immer mehr alte Menschen gibt.

        Daher:
        „falls du Erklärung brauchst:“
        solche „Erklärungen“ sind austauschbar und beliebig. Ich finds noch Okay als Leitfaden für Journalisten, die sich professionell mit Sprache und auch aktuellem Sprachgebrauch befassen, in teile grenzwertig, aber keinesfalls als Hinweis für den umgangssprachlichen Sprachgebrauch. Ich empfinde sowas vor allem als gezielten persönlichen Angriff, der immer so ausgelegt ist, möglichst viele unbedarfte zu treffen. Daher lehne ich solche „Erklärungen“ als sprachpolitischen Machtmissbrauch ab.
        Anstatt für eine Regulierung, Eingrenzung, Überwachung, Diffamierung „falscher“ Begriffe bin ich lieber für eine möglichst große vielfalt des Ausdrucks, bei dem nicht möglichst viel verboten, sondern möglichst viel erlaubt ist.
        Ich empfinde es als falsch, möglichst oft „Diskriminierung“ zu schreien, sondern finde, man sollte möglichst selten „Diskriminierung“ bei Begriffen rufen. Schon allein, um durch den inflationären Gebrauch nicht abzustumpfen. Denn es verharmlost und bagatellisiert letztlich wirklich diskriminierende Begriffe wie „n igg **“ oder „K an ack *“, wen sie mit „farbige“ in einen Topf geschmissen werden.

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      2. Nee, es geht um Respekt gegenüber Menschen (und deren Selbstbezeichnung).
        Wenn einzelne betroffene Menschen durch etwas nicht getroffen sind – und diese Leute wird’s immer geben, so wie es auch Schwule gibt, die „Das ist ja voll schwul“ als Abwertung verwenden oder beHinderte, die „Voll behindert, ey!“ sagen und das nicht problematisch finden – ändert das nichts.
        Ageistisch ist eher, Leuten, die ein gewisses Alter haben, einfach mal zu unterstellen, sich nicht mehr weiterentwickeln zu können.
        Nebenbei ist’s ja nun keine Rechtfertigung dafür, es als Mensch, der es kann, dann auch nicht zu tun.

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      3. „Nee, es geht um Respekt gegenüber Menschen (und deren Selbstbezeichnung)“

        Mit Verlaub:
        Bei der Aktion gegen Marius Jung lässt IMHO der Respekt vor SEINEN Selbstbezeichnungen sehr zu wünschen übrig.

        Da sind wir wieder beim Problem mit kollektivistischen und individualistischen Standpunkten.
        Ich finde, dass in jedem Fall ein Individuum ein Recht hat, einen gewissen Respekt vor seinen Selbstbezeichnungen zu beachten.
        So nennst Du dich nun Ash zw. Ashley und nicht mehr MissMindfuck. Ist immer gewöhnuhnsbedürftig, wenn sich eine Person anders ansprechen lässt, aber eben immer noch der selbe Mensch ist, aber es ist Deine Entscheidung, und entsprechend ein Zeichen des Respekts, das auch zu akzeptieren. Also nenne auch ich Dich Ash.

        Für die kollektivistischen Bezeichungen habe ich sehr viel weniger übrig, die da auf dem Mist der SJW wachsen, und die ja keineswegs allesamt SELBSTbezeichnungen besagter Kollektive sind, sondern durchaus auch
        – Zuschreibungen der SJW bzw.
        – bestenfalls selbstbezeichnungen eines eher militanten Teils des Kollektivs

        Zumal Kollektive wie „alle nicht-weißen, nicht heterosexuellen oder nichtmänner ohnehin eher willkürlich erscheinen.

        Ich empfinde es durchaus als grenzwertige Selbstanmaßung bestimmter SJW, sich als Sprachrohr ALLER Frauen, schwarzen, PoC oder was auch immer aufzuspielen und festlegen zu wollen, wie sich ein Marius Jung nun selbst politisch korrekt selbst bezeichnen darf und wie nicht.

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      4. Ja, was das angeht, sind wir einer Meinung: Die Selbstbezeichnung sollte jedem Menschen selbst überlassen sein.
        Leute sollten nur gleichzeitig auf dem Schirm haben, dass es deswegen nicht auch in Ordnung ist, das zu übernehmen.
        So wie es halt ’nen Unterschied macht, ob ich sage „Oh Mann, wie bescheuert bin ich denn?“ oder ob du das zu mir oder über mich sagst.

        Und konkret „of Color“/“Schwarz“ ist Selbstbezeichnung, darüber gibt’s ’nen Konsens und das ja nun auch nicht erst seit gestern.

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    2. Schön, dass es da was gibt, wo wir einer Meinung sind.
      Also, wirklich, ganz ohne Ironie.

      „Und konkret „of Color“/“Schwarz“ ist Selbstbezeichnung, darüber gibt’s ’nen Konsens und das ja nun auch nicht erst seit gestern.“

      Nu ja – also, Schwarz ist selbstbezeichnung – aber nur für Schwarze, nicht für andere nicht weiße.

      Warum soll ich ein englisches „of Color“ benutzen und nicht „farbige“ oder zumindest „nicht-weiße“, wenn ich mich nicht explizit auf schwarze beziehen möchte?
      Denn ganau darum gings ja in allen meinen Verwendungen des Begriffs: Mich nicht explizit ausschließlich an schwarzen zu orientieren.

      Also „sagen wir mal schwarzen“, um beispielhaft zu konkretisieren, aber von der Form, „können solche farbigen (also irgendwie nicht weißen, zum Beispiel, chinesischen, Indianer, Araber oder eben schwarze…)

      Ich kann Dir versichern:
      Nein, „of Color“ ist keine geläufige Selbstbezeichnung unter Arabischstämmigen Migranten in Deutschland. Ganz im Gegenteil kannst Du davon ausgehen, dass eine beträchtliche Zahl geradezu aversionen dagegen haben wird, ausgerechnet eine Bezeichnung aus dem als kulturimperialistisch empfundenen Amerika als „Selbstbezeichnung unterstellt zu bekommen. Das ist eher so, wie wenn du Inuit als Es ki mos bezeichnest.

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      1. Warum „farbig“/“Farbige_r“nicht gut ist, ist ja im Link erklärt.
        Nicht weiß/Nicht-Weiß ist was anderes.

        Wenn du weißt, dass es Araber_innen sind, kannst du sie ja einfach so nennen und Asiat_innen ebenfalls.
        Araber_innen sehen sich nicht zwingend als nicht-weiß, also würde „farbig“ das auch nicht besser machen, im Gegenteil.

        Aber das ist jetzt auch ein Punkt, an dem ich das Gespräch darüber gern beenden würde, weil ich mich nicht gut damit fühle, länger ohne deren „Anwesenheit“ über Menschengruppen zu sprechen.
        Wenn’s dir um Respekt gegenüber den Leuten geht, ist’s wohl am sinnvollsten, sie selbst zu fragen, wie sie genannt werden wollen. 🙂

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