Geschlechtszuweisung vermeiden, aber wie?

Für Untertitel im Video einfach rechts unten klicken. 🙂


Zusammenhängende Fassung von dem, was ich im Video sage:

Hi,

ich sag heute ein bisschen was zu Geschlechtszuweisung bzw. dazu, wie die sich sprachlich vermeiden lässt.

Wie du vielleicht weißt, bin ich genderqueer, das heißt, es gibt im klassischen Zwei-Geschlechter-System, das bisher noch fast überall verwendet wird, gar keinen Raum für mich oder Menschen, die so sind wie ich. Es gibt im Deutschen bisher auch noch keine allgemein bekannten neutralen Pronomen, wie zum Beispiel „they“ im Englischen oder schwedisch „hen“, das heißt, um sich auf Leute wie mich zu beziehen oder über irgend’ne Person zu sprechen, ohne der ein Geschlecht zuzuweisen, gibt es bisher eigentlich nur die Möglichkeit, Neopronomen zu verwenden, also neue, noch nicht bekannte Pronomen – ’ne Liste, von denen, die bisher schon so verwendet werden, werd ich verlinken- und natürlich hat jeder Mensch auch immer die Möglichkeit, sich selbst was auszudenken.

Was Personenbezeichnungen angeht, sind Gender Gaps oder Gender Sternchen ’ne ganz gute Möglichkeit, also ein Satzzeichen als Lücke zwischen der Form, die meistens Frauen beschreibt, und der Form, die meistens Männer beschreibt.
Mir sagen aber immer wieder Menschen, dass sie nicht so gern auf diese Möglichkeiten zurückgreifen wollen, was ich auch verstehe, weil es mir selbst auch häufig so geht. Dafür gibt’s diverse Gründe. Zum Einen, dass es für Leute, die schon Schwierigkeiten beim Lesen haben, echt problematisch sein kann, wenn da so ein Satzzeichen mitten im Wort steht, dann sind wohl einige Screenreader-Programme noch damit überfordert – Screenreader benutzen eben Blinde, zum Beispiel, zum Lesen am Rechner – und, ähm, manchmal lässt es sich schwer aussprechen, zum Beispiel würde ich „jede_r“ schreiben, aber gesprochen klänge das dann wie „jede….chr“ und das find ich nicht so schön. Und ab und zu möchte ich auch einfach keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen (Redewendung) und bin aber in ’ner Situation, wo es recht wahrscheinlich wäre, dass das passieren würde, wenn ich mit Gender Gaps schreibe. Das sind dann die Situationen, in denen ich andere Möglichkeiten suche, obwohl ich Gender Gaps generell sehr gerne mag, und ich nenne jetzt einfach mal ein paar Beispiele, wie ich das so mache, und hoffe, dass das vielleicht irgendwem hilft.

Generell spreche ich sehr häufig auch, wenn ich von Leuten spreche, deren Geschlecht ich kenne, entweder von „ein Mensch“ oder „eine Person“ und achte dabei darauf, dass ich zwischen „Mensch“ und „Person“ abwechsle, damit ich ein Mal „er“ (wie „der Mensch“) und ein Mal „sie“ (wie „die Person“) als Pronomen habe, weil es sonst doch schnell passiert, dass die Menschen, die mir zuhören, der Person, über die ich spreche, ‚n binäres Geschlecht zuweisen.
(Binär heißt, dass es eben in das Zwei-Geschlechter-System passt, also entweder Mann oder Frau.)
Is ja auch recht logisch, dass das passiert, weil wir uns eben in ’ner Welt bewegen, in der alles gegendert wird – also mit ’nem Geschlecht in Verbindung gebracht. Es gibt ja zum Beispiel solche Dinge wie „Mädels-Chips“ oder „Männer-Klopapier“.Ich würde, um zum Beispiel von vorhin zurückzukommen, also auch „jeder Mensch“ oder „jede Person“ sagen.
Wenn ich, ähm, von Menschen spreche, mit denen ich befreundet bin, dann sag ich zum Beispiel genau das, also „ein Mensch, mit dem ich befreundet bin“ oder „ eine liebe Person“, „ein Mensch, der mir nahesteht“ oder „eine Person, die ich sehr lieb habe“, oder „ein Mensch aus meinem Freundeskreis“ und ich find’s eigentlich auch ganz cool, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten es gibt, Dinge anders als gewohnt auszudrücken. Ich find auch Relativsätze dabei ganz hilfreich, ich sag zum Beispiel so was wie „ein Mensch, der Fahrrad fährt“ statt „Fahrradfahrer_in“ und, ähm, natürlich gibt’s auch immer die Möglichkeit, so was zu sagen wie „radfahrender Mensch“ oder „radfahrende Person“.

Dann hab ich noch ’n paar Beispiele aus’m medizinischen Bereich, weil es eben der is, in dem ich mich am meisten bewege:
Ich sage zum Beispiel: „Ich habe einen Besprechungstermin.“, „Ich habe einen Behandlungstermin.“, oder „Ich habe einen Vorsorgetermin.“ statt „Ich habe einen Arzttermin“ oder „Ich gehe in die zahnmedizinische Praxis“ statt „Ich gehe zum Zahnarzt.“ und teilweise find ich’s auch ganz gut, dass es so viel konkreter ausdrückt, was ich eigentlich mache. Also wenn ich ’nen…wenn ich sage: „Ich hab ’nen Vorsorgetermin.“, dann is damit viel klarer, was eigentlich los is als wenn ich nur sage: „Ich hab ’nen Arzttermin.“
Häufig sprech ich auch von medizinischen Fachpersonen oder medizinischem Fachpersonal, wenn ich Leuten kein Geschlecht zuweisen will – und, äh, wenn wir schon dabei sind, fänd ich es total cool, wenn wir alle einfach dazu übergehen würden, von „Untenrum-Ärzt_innen“ zu sprechen, statt „Frauenärzte“ zu sagen. Zum einen, weil natürlich das generische Maskulinum dann weg wäre, und zum anderen, weil längst nicht alle Menschen, die da hingehen oder hingehen müssen, Frauen sind.

Ja. Das waren jetzt natürlich nur ’n paar Beispiele, aber ich denke, die Richtung wird klar und ich hoffe, dass ich damit vielleicht ’n bisschen helfen konnte. Wenn du Lust hast, hinterlass total gern ’nen Kommentar und schreib, wie du das so machst – am besten auf meinem Blog, weil ich da moderieren kann. Da findest du auch Möglichkeiten, mich zu unterstützen, wenn du möchtest. Ich kann aufgrund meiner beHinderungen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und freu mich immer total, wenn Leute, was ich mache, und das in irgend’ner Form unterstützen wollen.

Danke!



Wie du vielleicht weißt, kann ich aufgrund meiner beHinderungen keiner „normalen“ Erwerbstätigkeit nachgehen und mich hier und in sozialen Netzwerken aktivistisch zu betätigen, ist quasi mein Job. Falls dir gefällt, was ich mache, und du mich und den Vierbeiner mit einem kleinen Betrag unterstützen möchtest, kannst du das zum Beispiel  über meinen Amazon-Wunschzettel, über Gynny oder über Patreon:-) Danke dir sehr! ❤

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3 Kommentare zu „Geschlechtszuweisung vermeiden, aber wie?

  1. Danke für das tolle Video 🙂 Wie siehst du es mit „man“ wie in „Da hat man keine Lust drauf“? Ich empfand es früher als neutral, aber weil das nun oft binär verwendet wird, zb. „Da hat frau keine Lust drauf“, „da wird man(n) eifersüchtig“, verliert es für mich an generischer Neutralität. Ich versuch das „man“ nun zu vermeiden, durch Mensch/Person zu ersetzen. Manchmal passt auch ich oder du, zumindest im Rheinland gibt es sowas wie ein generisches Du 😀

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    1. Danke für dein Danke! 🙂 ❤

      Ich persönlich verwende "man" und finde "mensch" eher störend und würde es nicht verwenden oder umformulieren (also z.B. "Da hat kein Mensch Lust darauf" oder statt "Da hat man/mensch keine Lust darauf" zu sagen, oft kann's auch passiv formuliert werden, dann mache ich das ("Das kann so oder so gemacht werden." statt "Das kann man so oder so machen".).
      Die Verwendung von "mensch" erschließt sich mir auch nicht so, weil "man" zwar natürlich wie "Mann" klingt, aber letztendlich die gleiche Herkunft hat wie "Mensch" (manniska – menschlich).
      Zwischen kleingeschrieben "man" und "frau" zu differenzieren, find ich auch… naja. Also meins ist es nicht und wird es nie sein. 😀

      Ich mag "man" nur insofern nicht so gern, als ich finde, dass damit häufig Dinge ausgedrückt werden, die eben nicht allgemeingültig sind (wie "man" impliziert). 😀 Also z.B. gerade so was wie dein Beispiel "Da wird man eifersüchtig" würde mich nerven, weil ich finde, dass Leute, wenn sie von sich sprechen, gefälligst auch "Ich" sagen und nicht so tun sollen, als wäre ihre Weltsicht/Gefühlswelt universell gültig. 😀

      Und ja, das "generische Du" mag ich auch. 😀

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