Ashducation: Ableismus-Grundlagen

Heute ohne viele ergänzende Worte – Untertitel sind natürlich im Video. 🙂

Video- Transkript als Fließtext:

„Hi,

ich sag heute ’n paar grundsätzliche Dinge zu Ableismus.
Ich werde dabei einige Beispiele für beHindertenfeindliche Situationen, Ideen und Aussagen nennen – also das nur so als Info für Menschen, die jetzt vielleicht sagen: „Urgh, will ich mir grad gar nich reinziehen.“

Das Wort Ableismus kommt vom englischen Wort „able“, also fähig, und bezeichnet die
Bewertung von Menschen anhand ihrer Fähigkeiten oder vermeintlichen Fähigkeiten.
Es wird meistens als „BeHindertenfeindlichkeit“ übersetzt, weil beHinderte Menschen natürlich am meisten von dieser Bewertung betroffen sind – und wahrscheinlich auch, weil „Fähigkeitsismus“ ’n bisschen seltsam klingen würde.

Wenn Ableismus benannt wird –also, wenn Leute sagen: „Ey, das is ableistisch!“, stößt das sehr häufig auf Unverständnis – zum einen, weil es für nicht betroffene Menschen oft sehr schwierig ist, nachzuvollziehen, warum Dinge, die sie sagen oder tun, ’ne beHindertenfeindliche Wirkung haben und zum anderen, weil ganz viele Leute denken, wenn sie zum Beispiel eine nicht-beHinderte Person beleidigen, könnten sie in diesem Moment sich nicht beHindertenfeindlich verhalten.

Generell gilt aber: Es ist ableistisch, davon auszugehen, dass alle Menschen die gleichen
Fähigkeiten haben und es ist ableistisch, Menschen aufgrund ihrer (vermeintlichen) Fähigkeiten oder Unfähigkeiten auf- oder abzuwerten.
Ableismus ist ’ne Form von struktureller Diskriminierung, das heißt, es is in unserer gesamten  Gesellschaftsstruktur verankert.
Das Gleiche gilt z.B. für Rassismus, Klassismus oder Sexismus – also die Bewertung von Menschen anhand ihrer Hautfarbe, Klassenzugehörigkeit oder ihres Geschlechts.

Das heißt, wir haben alle ableistische Grundsätze verinnerlicht.
Das ist ein sehr wichtiger Punkt, weil viele Menschen auch denken, wenn sie so bewusst eigentlich kein Problem mit Menschen mit Behinderungen haben, könnten sie sich auch nicht ableistisch verhalten.
Das Ding ist: Selbst, wenn du nicht der Ansicht bist, dass alle beHinderten Menschen auf ’ne extra Insel ziehen sollten und dich in deinem Alltag nicht mehr behelligen, ist es sehr wahrscheinlich, dass du dich trotzdem sehr häufig beHindertenfeindlich verhältst oder äußerst.

Auch Menschen, die mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, sind davon nicht frei. Gerade so im Bereich der Heilerziehungspflege gibt es zum Beispiel häufig das Bild von Menschen mit Down-Syndrom, die ganz besonders „rein“ und ganz besonders „pur“ sind. Das is dann eben positiver Ableismus – positiv heißt hier aber nicht, dass es was Gutes is, sondern, dass positive Eigenschaften oder vermeintliche Eigenschaften der Personengruppe hervorgehoben werden. Der Effekt ist aber immer noch, dass das Anders-Sein betont wird und die BeHinderung im Fokus steht.

Ähnliche Bilder gibt es zum Beispiel bei blinden Menschen – da is oft die Vorstellung da,
dass sich blinde Personen aufgrund ihrer Blindheit sehr viel tiefer auf andere Menschen
einlassen können, denen viel tiefer vertrauen können, oder auch die Vorstellung, dass kleinwüchsige Menschen irgendwas „Magisches“ haben, is positiver Ableismus.

Auch in unserer Sprache wird das Ausmaß von Ableismus sehr gut deutlich – Beispiele sind zum Beispiel solche Formulierungen wie „Der Vergleich hinkt“, was ausdrücken soll, dass ein Vergleich nicht brauchbar ist, oder Aussagen wie „etwas blind drauflos machen oder tun“, was heißen soll, dass es eben nicht durchdacht ist.

Das sind jetzt zwei Beispiele, die, schätz ich, relativ offensichtlich sind – in den meisten Fällen ist der Ableismus ’n bisschen subtiler, also versteckter.
Einige Beispiele dafür hab ich schon in meinem „Warum Nazis nicht dumm sind.“-Blog-Eintrag genannt, ich werd aber auch dazu noch weitere Videos machen.

Joah. So viel dazu.

Ich hoffe, das is soweit verständlich und nachvollziehbar.
Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast, hinterlass total gern einen Kommentar – entweder auf YouTube oder auf meinem Blog – bleib bitte freundlich dabei.
Und ansonsten, abonnier total gern den Kanal oder schau auf der be-hindernisse-Seite nach aktuellen Vortragsdaten.

Wie du vielleicht weißt, kann ich aufgrund meiner eigenen BeHinderungen keiner „normalen“ Erwerbstätigkeit nachgehen und mich aktivistisch zu betätigen ist quasi mein Job. Falls dir gefällt, was ich mache, und du mich unterstützen möchtest, findest du unter dem Video oder auf meinem Blog Möglichkeiten dazu.

Dankeschön!“


Wie du vielleicht weißt, kann ich aufgrund meiner beHinderungen keiner „normalen“ Erwerbstätigkeit nachgehen und mich hier und in sozialen Netzwerken aktivistisch zu betätigen, ist quasi mein Job. Falls dir gefällt, was ich mache, und du mich und den Vierbeiner mit einem kleinen Betrag unterstützen möchtest, kannst du das zum Beispiel  über meinen Amazon-Wunschzettel, über Gynny oder über Patreon:-) Danke dir sehr! ❤

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14 Kommentare zu „Ashducation: Ableismus-Grundlagen

  1. Die bloße VERWENDUNG des Begriffs „hinken“ im richtigen Kontext ist m.E. keine Behindertenfeindlichkeit. Der „hinkende Vergleich“ ist ein bildhafter Ausdruck für einen Vergleich, der denklogisch falsch ist: der Vergleich „steht nicht gerade“, wie er auf 2 gleichen Beinen stünde, sondern er hinkt, weil eine Seite bzw. das Verglichene eben nicht wirklich zusammen passt.

    Nicht nur Behinderte hinken, das trifft auch mal nicht Gehbehinderte, sei es durch Unfall, eine Mega-Schwellung wegen Mückenstich oder andere Krankheitserscheinungen, die dazu führen, dass man z.B. eine „Schonhaltung“ praktiziert.

    Ganz ähnlich sehe ich das bei „blind drauflos machen…“. Mit „blind“ spielen wir alle als Kinder, es ist Bestandteil von Selbsterfahrungsworkshops und gelegentliche Spielart der Erotik. Den Begriff „blind“ haben also von Geburt an Blinde oder irgendwann Erblindete nicht allein für sich gepachtet. Es ist ein Wort, dessen Erfahrung allen Sehenden vorstellbar und zugänglich ist, die ihn dann auch entsprechend verwenden: Sehende sind weitgehend orinetierungslos mit einer Augenbinde – und genau DIESE Erfahrung ergibt dann den Wortgebrauch. Wer dagegen dauerhaft blind ist, ist in aller Regel NICHT orientierungslos – und das wissen auch alle!

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    1. So, jetzt komme ich auch dazu, darauf einzugehen. Sorry, dass es so lange gedauert hat.

      Ich sagte das auch im Video: Der Punkt ist nicht, ob in der aktuellen Situation eine beHinderte Person gemeint ist oder nicht.
      Natürlich hinken auch nicht-beHinderte Menschen vielleicht mal, sie sind aber deswegen nicht dauerhaft von strukturellem Ableismus betroffen. Sie müssen ziemlich sicher auch einiges an Sprüchen dafür einstecken, aber sie erleben es in einem viel kleineren Ausmaß und es geht wieder vorbei.

      Das Problem am „hinkenden Vergleich“ ist die implizite Aussage, dass Hinken Zeichen von etwas Schlechtem, Fehlerhaftem ist und dass etwas, das hinkt, nicht gut ist.
      Damit ist die Formulierung Ausdruck von ableistischem Denken. (Genauso wie das „auf zwei Beinen stehen“-Bild. Eine Person, die auf einem Bein oder einem Bein und einer Krücke oder auf ihrem Rumpf steht, ist eben dadurch nicht fehlerhaft/unbrauchbar. Sie macht Dinge nur anders als der Großteil der Menschen.)

      „Mit „blind“ spielen wir alle als Kinder, es ist Bestandteil von Selbsterfahrungsworkshops und gelegentliche Spielart der Erotik.“

      Ich möchte dich auch darum bitten, diese Aussage zur Blindheit nochmal zu überdenken – die Lebensrealität einer blinden Person ist Sehenden sicherlich nicht zugänglich, weil sie mal eine Augenbinde trugen, genauso wenig wie Leute wissen können, wie’s ist, gelähmt zu sein, weil sie beim Vögeln mal ans Bett gefesselt waren ^^.
      Wer mal eine Augenbinde aufhatte, wird sich vom Begriff „blind“ nicht beschrieben fühlen, für diese Person ist es nicht Teil der Identität, genauso wenig wie sich erwachsene Menschen mit durchschnittlicher Körpergröße nicht vom Wort „kleinwüchsig“ bezeichnet fühlen, weil sie mal irgendwann als Kind 1,20m groß waren.

      „Sehende sind weitgehend orinetierungslos mit einer Augenbinde – und genau DIESE Erfahrung ergibt dann den Wortgebrauch.“

      Genau das, also dass die Sichtweise der nicht betroffenen Personen zählt, ist ja das Problem und dadurch entsteht Diskriminierung. SO kommt es auch zu so vielen anderen extrem ableistischen Formulierungen wie z.B. „an den Rollstuhl gefesselt sein“ u.Ä.: Weil nicht-beHinderte Menschen meinen, sie könnten sich vorstellen, wie es ist, mit einer BeHinderung zu leben und den betroffenen Personen diese Fantasie (!) überstülpen, anstatt einfach mal zuzuhören und die Lebensrealität der Menschen, um die es geht, zu akzeptieren.

      „Wer dagegen dauerhaft blind ist, ist in aller Regel NICHT orientierungslos – und das wissen auch alle!“

      Es ist total gut, dass für dich klar ist, dass blinde Menschen nicht orientierungslos sind, das trifft aber längst nicht auf „alle“ zu, im Gegenteil.
      Blinde/SehbeHinderte Menschen werden, genau wie Rollstuhlfahrer_innen und (vor allem sichtbar) beHinderte Menschen allgemein, sehr sehr häufig nicht wie erwachsene, eigenverantwortliche Personen, behandelt.
      (Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft beispielsweise Ärzt_innen anfangen, mich einfach zu duzen, sobald klar ist, dass ich beHindert bin. Sie schwenken einfach plötzlich vom „Sie“ zum „du“ um und merken das vermutlich nicht einmal. Und das ist nur eins von vielen Beispielen, das ich auch total oft von anderen Leuten, die nochmal bis 20 Jahre älter sind als ich, höre.)

      Ich hab noch ein paar Tweets dazu von Betroffenen rausgesucht – es gibt sicher viele mehr, das sind nur die, die ich auf die Schnelle fand, weil sie im Zusammenhang mit #beHindernisse gepostet wurden:
      https://twitter.com/search?f=tweets&vertical=default&q=blind%20%23behindernisse&src=typd
      https://twitter.com/search?f=tweets&q=sehend%20%23behindernisse&src=typd

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      1. „Ablesplaining“ musste ich erstmal googeln… aha, eine Art Redeverbot für Nichtbehinderte, überhaupt über so ein Thema mitzudiskutieren.

        Heißt das jetzt, du schaltest den Kommentar NICHT mehr frei?

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      2. Ganz ehrlich: Wenn du so seltsam provokativ mit „Redeverbot“ und „Meinungen, die nicht sein dürfen“ kommst, hab ich wirklich wenig Lust darauf.

        Ich habe hier in 1 1/2 Jahren genau 3 Kommentare nicht freigeschaltet, weil sie richtig beleidigend waren.
        Aber das hier ist, wie du weißt, ein privater Blog einer beHinderten Person und ich habe schlicht nicht die Zeit oder Energie, immer sofort auf alles einzugehen.
        Ich schrieb bereits oben, dass ich deinen Kommentar deswegen noch nicht freigeschaltet habe und es nervt mich, dass du ein wiederholtes Mal versuchst, das in Richtung „Redeverbot“zu framen.

        Zu sagen: „Hört betroffenen Menschen einfach mal zu, anstatt ihnen zu erzählen, wie sie Dinge wahrzunehmen haben.“ =/= ein Redeverbot erteilen.

        Aber selbst, wenn ich nur bestätigende Kommentare zulassen WÜRDE:
        Ich sauge mir das, was ich sage, nicht aus den Fingern und wenn Kommentare nur dem Zweck dienen, alles zu relativieren, was ich schrieb und Gründe dafür zu finden, sich nicht mit Ableismus (oder anderen Ismen) zu befassen, behalte ich mir für die Zukunft auch vor, sie nicht freizuschalten.
        Es ist mein Blog.

        Es steht jeder Person frei, was auch immer sie sagen möchte, auf eigenen Plattformen kundzutun. Dazu ist nicht die Kommentarspalte meines Blogs notwendig und ich habe auch keine Diskussionspflicht.

        Also nochmal: Wenn ich die Tage Zeit und Energie dafür habe, darauf einzugehen, schalte ich den Kommentar frei.

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  2. Aber ich habe dir doch zugehört! Hätte ich das nicht, hätte ich gar kein Interesse daran, hier etwas zu schreiben. Du schreibst:

    „Aber selbst, wenn ich nur bestätigende Kommentare zulassen WÜRDE:
    Ich sauge mir das, was ich sage, nicht aus den Fingern und wenn Kommentare nur dem Zweck dienen, alles zu relativieren, was ich schrieb und Gründe dafür zu finden, sich nicht mit Ableismus (oder anderen Ismen) zu befassen, behalte ich mir für die Zukunft auch vor, sie nicht freizuschalten.
    Es ist mein Blog.“

    Ich befasse mich doch aber gerade!!! Der Titel deines Postings heißt „Ashducation: Ableismus-Grundlagen“ – was ist daran falsch, dies als Vorstellung eines Themas mit Einladung zur Diskussion zu verstehen? Indem ich dein Video anhörte, die Textversion las, meinen Widerspruch zu deiner Sicht der Dinge als Kommentar eingab, später dann auch noch ein mir unbekanntes Fremdwort googelte hab ich mich sogar vergleichsweise viel befasst. (und ja, ich war leicht sauer, dass du mich zunächst mit einem Begriff „abgebügelt“ hast, dessen Verwendung an dieser Stelle doch eigentlich nur bedeuten konnte: „deine Meinung ist hier unerwünscht“. Oder etwa nicht?)

    Schade, dass du keine Lust hast, deine Meinungen zu diskutieren. Dass du dir irgendwas „aus den Fingern saugst“ habe ich weder behauptet noch irgendwie angedeutet.

    Ich habe auch nichts „relativiert“.

    Sondern dir klar widersprochen – in sachlicher Form und mit Argumenten begründet.

    „Es steht jeder Person frei, was auch immer sie sagen möchte, auf eigenen Plattformen kundzutun. Dazu ist nicht die Kommentarspalte meines Blogs notwendig und ich habe auch keine Diskussionspflicht.“

    Ok, verstanden: du willst in deinem Blog keinen Widerspruch und keine anderen Meinungen. Ich werde das Thema also demnächst in meinem Blog besprechen. Ist ja kein Problem…

    Dir wünsch ich jedenfalls alles Gute für 2017 und einen guten Rutsch!

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    1. Ich habe schon zwei Mal geschrieben, dass ich deinen Kommentar freischalten und darauf eingehen werde, sobald ich dazu komme bzw. erklärt, dass ich ihn aufgrund von Zeitmangel noch nicht freigeschaltet habe und kann gerade ehrlich nicht nachvollziehen, wieso du weiterhin darauf bestehst, ich würde hier keine anderen Meinungen wollen.

      Dir auch einen guten Rutsch!

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      1. Okay 🙂 Ich schau, dass ich heute oder morgen schaffe, zu antworten!
        (Brauche etwas mehr Konzentrationsfähigkeit, um richtig drauf einzugehen und kann aktuell wegen der Auswirkungen des feuchtkalten Wetters schlecht planen.)

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